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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Doch  auch  ihre  geistigen  Zustände  deuten  auf  einen  gewissen ­
  Grad  von  Cultur.  Vor  allem  war  ihre  Religion  reiner
Monotheismus:  das  höchste  Wesen  (isten)  war  ihnen  die  Quelle
alles  Guten,  und  da  sie  in  den  vier  Elementen  den  Complex
aller'göttlichen  Wohlthaten  erkannten,  opferten  sie  ihm  unter
dem  Sinnbilde  der  Sonne,  verehrten  ihn  in  der  Luft  und  dem
Wasser,  und  sangen  der  Erde  Hymnen;  sie  fassten  ihn  als  den
ganz  eigenen  Beschützer  ihres  Volkes,  als  „Gott  der  Ungern'’
(magyarok  istene)  auf,  daher  sein  Name  bis  zum  heutigen  Tage
noch  im  Bewusstsein  des  ungrisclien  Volkes  auf  merkwürdige
Weise  fortlebt;  ferner  dachten  sie  sich  ihn  bewaffnet,  wie  sie
es  selbst  waren,  der  die  Bösen  mit  seinem  Pfeil  (isten  nyila,
nämlich  dem  Blitz)  erlegt,  und  das  böse  Princip,  das  sie  als
Armäny  (Ahriman)  oder  Ordöng  personificirten,  in  Schranken
hält.  Ihre  Bildsäulen  (balvany)  waren  bloss  sinnliche  Darstellungen ­
  Gottes,  vor  denen  sie  ihm  häufig  Thiere  (nie  Menschen)
opferten;  Götzen  waren  es  aber,  wie  christliche  Geistliche
wähnten  ,  nicht.  Ihre  Priester  (tältos)  waren  zugleich  die  Weisen, ­
  die  Propheten  und  Sänger  des  Volkes,  ohne  dass  sie,  trotz
ihrer  moralischen  Macht,  je  eine  Kaste  gebildet,  und  als  solche
eine  politische  Geltung  gehabt  oder  geistigen  Druck  geübt  hätten. ­
  Sie  glaubten  an  die  Unsterblichkeit  der  Seele,  und  ihren
kriegerischen  Geist  nährte  nicht  wenig  die  Ueberzeugung,  dass
alle  Jene,  die  sie  auf  dem  Schlachtfelde  erlegen,  ihnen  in  jener
Welt  dienstbar  werden.  Ihre  Todten  begruben  sie  gern  an
Quellen,  feierten  ihr  Andenken  mit  Trauerliedern  und  Trauermalen, ­
  ausgezeichnete  Ereignisse  mit  Opfern  und  Gelagen.  Feierliche ­
  Verträge  wurden  mit  Eiden  bekräftigt,  wobei  sie  sich  auch
eine  Ader  öffneten  zum  Zeichen,  dass  ihr  Blut  im  Falle  des  Meineides ­
  vergossen  werde.  Die  Fürsten  und  das  Alter  standen  in
hohem  Ansehen,  die  Eltern  übten  entschiedene  Gewalt  über  die
Kinder  aus,  der  Vater  verehlichte  seine  Söhne;  bei  der  Verlobung ­
  wechselten  die  Brautleute  silberne  Gottesbildcr,  die  sie
Zeitlebens  am  Halse  trugen.  Vielweiberei  war  ihnen  fremd,  und
die  würdevolle  Stellung  der  ungrisclien  Frau  im  Familienleben
(feleseg),  so  wie  ihre  Privat-  und  öffentlichen  Rechte,  welche
ihr  nach  der  ungrisclien  Verfassung  zukamen  (ürne),  sind  durchaus ­
  nationeilen  Ursprungs,  und  beweisen,  in  welch’  hoher  Ach-
            
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