171
Kreuzfahrern im gelobten Lande, zu Armenien (Cilicien nach altem
Sprachgebrauch), zum Kaiserreich Trapezunt, zu den Mongolen
u. s. w. Dabei versteht sich von selbst, dass die Geschichte
und Statistik der venetianischen Besitzungen in Griechenland und
am ganzen adriatischen Litorale sehr reich bedacht ist. Wir können
schon jetzt die Versicherung geben, dass uns scheint, es
werde erst durch Bekanntmachung dieser Urkunden, so wie einer
Anzahl kleinerer venetianischer Chroniken, welche die k. Bibliothek
besitzt, möglich werden, eine getreue Geschichte jenes merkwürdigen
Freistaates zu schreiben, welcher so viel Gelegenheit
und Anlass zur Vergleichung mit einer früheren Herrscherin in
demselben Mittelmeere, Karthago, darbietet.
Die libri misti bewegen sich in derselben Sphäre, und werden,
wenn ein umfassendes Repertorium über diese fast kolossale
Sammlung angelegt sein wird, eine Menge wichtiger Details zur
Erläuterung und Vervollständigung der vorhin genannten Sammlungen
zu Tage fördern.
Wir haben alle vorhin genannten Sammlungen, was Deutlichkeit
und Sauberkeit der Schrift anbelangt, in einem für uns
höchst wohlthuenden Zustande gefunden, und uns gegen 600
Nummern bemerkt, welche vor Allem der Sammlung einverleibt
werden sollen. Ein Verzeichniss dessen, was wir von jener Urkundenzahl
recht bald in Arbeit zu nehmen wünschten, erlauben
wir uns hier gleich ehrerbietigst mitzutheilen.
Ich habe im Anfänge dieses Vortrags gesagt, dass ich auch
über den heutigen Stand mittelgriechischer Studien, so weit diese
mit unserem Vorhaben in nächstem Bezüge stehen, Bemerkungen
und Wünsche vortragen werde, deren Realisirung, wenn auch
in entfernter Zukunft, manche starke Lücke in der Literatur des
Mittelalters ausfüllen dürfte.
Im December des Jahres 1848 hat die kaiserlich russische
Akademie der Wissenschaften in Petersburg ein Programm für eine
Preisaufgabe über die byzantinische Chronographie von 395 bis
1056 veröffentlicht, worin gesagt ist: „Die Geschichte vom Jahre
395 bis zum Jahre 1056 ist in annalistischer Form so zu bearbeiten,
dass die Ereignisse eines jeden Jahres, so weit sie in den eigentlichen
byzantinischen Chroniken Vorkommen, gedrängt nach den
Quellen angeführt werden, wie diess bereits hinsichtlich der Ge-