Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

9

lust  Schranken  zu  setzen.  Noch  unter  Ärpäd  mussten  die  näher
gelegenen  Theilc  Italiens  und  Deutschlands  das  fürchterliche  Andringen ­
  der  schnellen  Reiter  des  Orients  fühlen  ;  und  die  für  das
junge  Ungern  entscheidende  Hauptschlacht  bei  Pressburg  (907)
endigte  mit  der  völligen  Niederlage  des  deutschen  Königs,  der
bald  den  Magyaren  zinspflichtig  wurde;  die  Enns  ward  nun  ihre
Grenze,  und  zu  Melk  bauten  sie  ihre  stolze  Fürstenburg.  Kaum
ein  Land  Westeuropas  blieb  nun  unter  Zsolt,  dem  kriegerischen
Sohne  Ärpads,  von  ihren  sich  alljährlich  wiederholenden  Schlägen ­
  verschont;  Deutschland,  Italien,  die  Schweiz,  Lothringen,
Frankreich,  selbst  Spanien  mussten  ihre  kräftigen  Arme  fühlen,
und  das  erschreckte  Europa  sah  in  ihnen  den  Gog  der  Bibel  und
durch  sie  das  auf  das  Jahr  1000  prophezeite  Ende  der  Welt  herannahen. ­
  Trotz  den  wohlerdachten  Massregeln  des  deutschen
Heinrich,  der  gegen  sie  Dörfer  und  Klöster  mit  Mauern  umgeben, ­
  feste  Burgen  bauen  liess,  den  Heerbann  neu  organisirte,
indem  er  aus  den  alten  Freien  ein  regelmässiges  Fussvolk,  aus
dem  Feudal-Adel  eine  regelmässige  Reiterei  bildete,  militärische
■Hebungen,  Turniere  u.  dgl.  einführte,  und  so  aus  den  zerstreuten ­
  Kräften  Deutschlands  eine  einige  und  starke  Centralheeresmacht ­
  schuf  (wodurch,  beiläufig  gesagt,  das  ungrische  Volk
welthistorische  Veränderungen  im  europäischen  Völkerleben  hervorrief) ­
  und  trotz  den  zweimaligen  grossen  Erfolgen  dieser  Institutionen ­
  bei  Merseburg  und  Augsburg,  trotz  der  Wegnahme  des
rechten  Ennsufers,  wodurch  der  westliche  Gränzstein  des  jungen ­
  Ungerns  bis  Melk  zurückgezogen  werden  musste,  hörten
doch  die  verheerenden  Ausflüge  derselben  nicht  auf;  nur  beunruhigten ­
  die  Ungern  in  der  Folge  mehr  den  Osten,  wo  Byzanz
zitterte  und  Tribut  zahlte.  Diese  Lage  hätte  Europa  sofort  unerträglich ­
  werden  und  ein  Bündniss  hervorrufen  müssen,  welches
dem  noch  nicht  hundertjährigen  Reiche  der  Ungern  unvermeidlich ­
  Verderben  gebracht  hätte.  Da  bestieg  (972)  Herzog  Gcza
seines  Vaters  Thron:  ein  Mann  von  ungewöhnlicher  Geistesund ­
  Willenskraft,  von  hellem  Blick  in  die  europäischen  Verhältnisse, ­
  von  Entschlossenheit  mit  eiserner  Hand  die  unbändige
Kraft  der  Seinen  zu  zähmen,  und  diese  neuen,  heilvolleren
Richtungen  zuzuwenden.  Und  in  der  That  fand  die  alte  Heldenzeit, ­
  wie  wir  das  Weltlehen  der  Ungern  im  neunten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.