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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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ungrischen  Chronisten  verzeichnet  ist—  durch  die  sorgfältige  Vergleichung ­
  derselben  mit  den  geschichtlichen  Erzählungen  der
mittelalterlichen  Geschichtschreiber,  von  denen  sie,  theils  ärmer, ­
  theils  reicher,  oft  abweichend,  durchaus  aber  unabhängig ­
  und  selbständig  ist,  und,  nach  vorsichtiger  Entfernung  des
Erdichteten  und  nach  kritischer  Würdigung,  der  Anachronismen
sich  mit  der  Geschichte  sehr  wohl  vereinbaren  lässt,  ja  selbe
auch  ergänzt,  wie  z.  B.  durch  die  Erzählung  der  Tärnokcr
Schlacht,  nach  welcher  die  Hünen  allda  ihre  Nekropole  anlegten, ­
  deren  in  jüngster  Zeit  durch  Er  di  begonnene  Aufgrabung ­
  die  Sage  wunderbar  zu  bestätigen,  und  überhaupt  über
die  Hünen  sowohl  als  über  die  Stammverwandtschaft  der
Ungern  mit  denselben  monumentale  Zeugenschaft  abzulegen
verspricht,
§.  2.  Jahrhunderte  lang  hatten  die  Magyaren  an  den  beiden
Ufern  der  Wolga,  in  den  heutigen  Gouvernements  Kasan,  Simbirsk,
Orenburg,  wo  wir  noch  im  XIII.  Jahrhundert  das  Land  Gross-Ungern
  finden,  gesessen;  als,  durch  zu  starke  Vermehrung  gezwungen, ­
  wie  die  Nationalsage  vorschützt,  wahrscheinlicher  jedoch ­
  durch  ihre  mächtigeren  und  immer  feindseligen  Stammverwandten, ­
  die  Bessen  (Pacinaken)  gedrängt,  ein  Theil  von  ihnen
diese  Heimath  verliess,  und,  im  Fortgange  ihrer  Züge  wieder  in
zwei  Theile  gespalten,  der  eine  sich  früherer  Sitze  eingedenk  gegen ­
  Persien  wandte,  während  der  andere  der  atilanisclien  Tradition ­
  folgend  sich  nach  Südwest  fortbewegte,  und  in  Atelkusu
(den  heutigen  Moldau  und  Bessarabien)  Halt  machte.  Die  somit
getrennten  Brüder  lebten  noch  eine  Zeit  in  Verkehr  durch  Bothschaften,
  bis  die  Ersteren  zwischen  den  Völkern  Südcaucasiens
Sprache  und  Namen  verloren,  Letztere  aber,  im  letzten  Zehend
des  IX.  Jahrhunderts,  wieder  durch  die  übermächtigen  Bessen
gezwungen,  sich  in  ihr  heutiges  Vaterland  ergossen,  alles  Land
von  den  Karpathen  bis  an  das  adriatische  Meer,  vom  Kahlenberg
bis  an  die  walachischen  Alpen  eroberten  ,  und  sämmtliche  hier
sitzende  Völkerschaften,  nachdem  ihre  Fürsten  nach  der  Reihe  theils
besiegt,  theils  getödtet  waren,  sich  unter  der  Oberherrschaft  des
Ungernherzogs  Ärpad  ohne  ferneres  Widerstreben  zu  einem  grossen ­
  Staate  einigten.  Dieses  neue  Reich  galt  den  Ungern  zugleich
als  Gränze  ihrer  Eroberungen,  ohne  jedoch  ihrer  Kampf  und  Beute-
            
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