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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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aufbehalten  worden.  Denn  in  derThat  haben  die  uralten  anonymen
Chronisten,  die  sowohl  dein  Warschauer  Codex  des  Hartwig  und
dem  Kezai  (1283),  als  dem  ersten  Buche  der  Wiener  Chronik
(1358)  unbezweifelbar  zu  Grunde  liegen,  geradezu  die  Volkssagen ­
  übersetzt  und  niedergeschrieben.  Der  aufmerksame  Forscher, ­
  dem  sich  die  Wesenheit  der  Sage  aufgeschlossen,  der
ihre  Hinneigung  zum  Grossen,  Ausserordentlichen  und  Wunderbaren ­
  kennt,  dem  es  klar  geworden,  wie  diese  von  Thatsaclien
ausgehend,  selbe  ausbildet,  deutet,  verbindet,  wie  sie  Raum-  und
Zeitverhältnisse  willkührlich  ausdehnt  oder  verschmilzt,  im  Verlaufe ­
  der  Zeit  Vieles  vergisst,  Neueres  aufnimmt,  dadurch  endlich ­
  anachronistisch  wird;  wer  die  historische  Sage  so  in  ihren
Eigenthümlichkeiten,  und  überdiess  ihr  gläubiges,  naives  Wesen
kennt,  wird  aus  den  altungrischen  Chroniken  die  Sagen  mit  sicherem ­
  Sinne  herausfinden.  Wir  versuchen  es  hier  die  verschiedenen ­
  Partien  derselben  namhaft  zu  machen:  1.  die  Gründung
des  mäotischen  Huniens  ;  2.  die  Schlacht  im  Tarnoker  Thale,
3.  die  Schlacht  bei  Zeiselmauer,  4.  Atila  wird  König,  5.  die
Schlacht  beiChalons,  6.  Aquileja’sFall,  7.  Atila  in  Ravenna,  8.  Atila
und  Papst  Leo,  9.  Atilas  letzte  Brautnacht  und  Tod,  10.  des
Hunenreiches  Ende.  In  diesen  zehn  Gliedern  hatte  sich  die  einst
gewiss  reichere  Hunensage  nach  manchen  Veränderungen  im  Volke
erhalten  ,  und  bis  zur  Zeit  des  durch  die  Ungern  angenommenen ­
  Christenthums  vererbt,  ja  frisch  fortgelebt,  wie  dies  die
Sage  von  Papst  Leo’s  Gesandtschaft  bezeugt,  welche  offenbar  zu
dieser  Zeit  das  christliche  Element  aufgenommen  hat,  welches  in
ihr  vorwaltet.  Auch  hat  sich  aus  den  jüngsten  Forschungen  Prof.
Wenzel’s  deutlich  herausgestellt,  dass  während  sich  in  den
ältesten  deutschen  Gedichten  nur  wenige  schwache  Spuren  von
Atila  und  seinen  Hünen  vorfinden,  auf  jene,  die  nach  dem  zehnten ­
  Jahrhunderte  entstanden  sind,  die  Hunensage  der  alten  Ungern ­
  Einfluss  geübt  hat.  Der  Vermittler  dieser  Ueberpflanzung
war  allem  Anscheine  nach  derselbe  Passauer  Bischof  Piligrin,
der  im  letzten  Viertel  des  zehnten  Jahrhunderts  die  ersten  Bekehrungsversuche ­
  unter  den  Magyaren  unternehmend,  daselbst
auch  die  Hunensage  durch  Meister  Kuonrat  niederschreiben  liess.
Noch  klarer  wird  uns  der  einheimische  und  sagenhafte  Ursprung
der  Hunengeschichte,  —  wie  sie  nämlich  bei  den  uralten
            
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