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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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ihren  Scheichen  oder  Staminesältesten  mit  ihren  Heerden  von  Weide
zu  Weide  ziehen  und  von  deren  ungeheurer  Anzahl  die  Macht
Zeugniss  gibt,  mit  der  sie  dann  und  wann,  wenn  es  einem  Häuptling
gelang  sie  zu  vereinigen,  hervorbrechen  und  alle  Hindernisse  besiegen ­
  wie  das  erst  neuerlich  die  Wehahiten  thaten.  Allein  eine
solche  Vereinigung  der  Beduinen  ist  sehr  schwer  zu  bewerkstelligen
und  währt  nur  selten  lange,  denn  in  unzählige  Stämme  zerspalten,
die  mit  einander  stets  in  Fehde  liegen,  fehlt  ihnen  das  erste  Erforderniss ­
  zum  Anfänge  eines  geregelten  Staates  und  bürgerlicher
Zustände  —  der  Ackerbau.  Im  Herbst  ziehen  diese  Beduinen
vor  der  Kälte  fliehend  in  die  Gegenden  von  Baghdäd  und  nach
Nedschd,  im  Frühjahre  kommen  sie  wieder  in  die  nördlichen  Gegenden ­
  zurück  bis  in  die  Nähe  von  Haleb.  Der  mächtigste  »Stamm,
der  fast  die  ganze  syrische  Wüstengränze  besetzt  hält,  ist  offenbar ­
  der  der  A’nese-Beduinen  (),  weiter  südlich  von  diesen  an
der  Gränze  der  südlichen  Haurän  treiben  sich  die  Beni  Schemmer
herum.  Die  A’nese  zerfallen  aber  selbst  in  eine  grosse  Anzahl
kleiner  Stämme,  die  sich  unter  einander  fortwährend  bekriegen,
diejenigen,  die  ich  auf  der  Reise  nach  Tadmor  nennen  hörte,  sind
die  Bischr  (Lr^),  Erwälla,  Wuld  A’li,  Beni  Siba
Beni  Fid’än  (öle  ji^j),  die  O’meir  Diese  Stämme  senden ­
  stets  gegen  einander  Kriegszüge  aus,  Ghasu  genannt,
ganz  so  wie  in  Algerien  die  razzia’s  (ä.jls).  Eine  solche  Ghasu
besteht  aus  zehn,  zwanzig  oft  aber  auch  zwei  bis  dreihundert
Merdüf  (d.  i.  Doppelreitern  auf  Dromedaren;  der  Zweck
dieser  Ghasu’s  ist,  dem  feindlichen  Stamme  seine  Heerden  zu
rauben.  Ein  solcher  Kriegszug  der  grössten  Art  fand  vierzehn
Tage  vor  meiner  Ankunft  in  diesen  Gegenden  Statt,  und  ich  traf
noch  in  allen  Gränzdörfern  die  versprengten  Flüchtlinge  des  besiegten ­
  Stammes,  die  nach  Verlust  aller  Habe  noch  froh  waren,
das  bare  Leben  gerettet  zu  haben.  Die  Wuld  A’li  und  die  O’meir
zogen  vereinigt  gegen  den  Stamm  der  Erwalla  aus,  um  dessen
Heerden  zu  plündern,  ihre  Anzahl  ward  auf  200  Merdüf  angegeben, ­
  worunter  zweihundert  Flinten  waren.  Sie  überfielen  die
Erwalla  unversehens  und  raubten  ihnen  einen  grossen  Theil  ihrer
Heerden.  Diese  eilten  den  Bäubern  nach,  um  ihnen  die  Beute
            
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