92
thümlicher, dessen hervorstechendes Merkmal das ist, dass jedes
lange Elif wie A nicht wie A ausgesprochen wird. So kann ein
Kara’uni nicht Bostän , Scham, Sultan, Pascha u. s. w. sagen,
sondern er spricht diese Worte Bostän, Schäm, Sultan, Pascha
aus. In Dscheirud fängt diese sonderbare Sprechweise an; in
dem von Korietein nur 24 Stunden entlegenen Tadmor ist von
dieser Eigentümlichkeit nicht die geringste Spur anzutreffen und
die Sprache ist ganz die der Wüstenaraber. Der eine der zwei
in Korietein befindlichen christlichen Priester hatte früher ein mehlunbedeutendes
Einkommen aus den frommen Stiftungen oder
Wakf. Diese hat aber in neuerer Zeit der in Damaskus residirende
Metropolite eingezogen und dafür dem Geistlichen
eine Besoldung von jährlich fünfhundert Piaster angewiesen.
Dieser Geistliche schien ein recht wohl unterrichteter Mann
zu sein, er hatte eine arabische Bibel in der Uebersetzung der
Londoner Bibelgesellschaft undmehrere syrische liturgische Werke,
die aus den Pressen der Klöster im Libanon hervorgingen; er
spricht auch syrisch; die Kinder des Dorfes unterrichtet er im
Lesen des Arabischen, und ich hörte kleine Knaben von fünf bis
sechs Jahren schon recht gut lesen, auch schienen sie das Gelesene
zu verstehen. Nicht weit vom Dorfe ist ein Kloster, genannt
Deir Mar Eljän. Dieses Kloster ist aus ungebrannten Lehmziegeln
erbaut, mit einer hohen Mauer umgeben, einige steinerne Gewölbe,
offenbare Ueberreste eines ältern Gebäudes, sindjetzt durch
die eingestürzten Mauern halbverschüttet. Das einzige Merkwürdige
im Kloster ist ein steinerner Sarkophag, worin der Leichnam
des Heiligen liegt , der Sarkophag selbst sowie der
Deckel sind aus einem einzigen Stück Stein gearbeitet, jedoch
ohne alle künstlerische Verzierung. Auf diesem Sarkophag sind
einige wie es scheint von Pilgern eingekratzte Inschriften in syrischen
Charakteren, wovon jedoch die meisten ziemlich unleserlich
sind. In dem Zimmer, wo der Sarg steht, hängen von
der Decke an Stricken mehrere Strausseneier herab, die als
fromme Gaben dem Heiligen dargebracht wurden. Im Vorhofe
des Klosters sah ich Blutspuren, die wie man mir sagte von den
Schlachtopfern herrühren, welche von Christen und Moslimen
ohne Unterschied dem Heiligen dargebracht werden. Neben dem