338 G in d e I v. Auszug’ u. d. Ahhandi. „Die böhm. Finanzrerhältnisse“ ete.
Geld und in der Lieferung vonNaturproducten (Enten, Hühnern, Eiern,
Getreide u. s. w.). Die Robotleistung selbst war eine ganz geringe, sie
betrug 3—4, selten 5 oder 6 Tage im Jahre. Man ersieht dies aus
den Tausenden von Contracten über Gutskäufe, die sieh aus dem
16. Jahrhundert erhalten haben and die genau die Leistung jedes
einzelnen Bauern auf dem betreffenden Gute angeben. Wie gross
war demnach der Unterschied zwischen der früheren und der vor
1848 üblichen Robot, welche letztere bei einem Vollbauer an 1S0
Arbeitstage im Jahre betrug! Bei dem geringenAusmaasse der Robot
stellt man unwillkürlich die Frage, wie die Herrschaftsbesitzer ihre
Güter bewirthschafteten. Zwei Annahmen liefern einen genügenden
Erklärungsgrund. Entweder waren Grund und Boden (mit Ausnahme
von Wald und Teichen) fast ausschliesslich in den Händen der
Bauern, so dass deren geringe Robotleistungen für die Bebauung der
Dominicalgriinde ausreichten und die Herren ihr Haujiteinkommen aus
den Zinsleistungen und Naturallieferungen der Bauern bezogen. Oder
es waren die Herren im Besitze ausgedehnter Dominicalgriinde und
bewirthschafteton sie grösstcntheils durch bezahlte Arbeiter. So sehr
letztere Annahme den mittelalterlichen Verhältnissen widerspricht, so
sprechen doch in Böhmen mancherlei gewichtige Gründe für dieselbe,
deren Berücksichtigung man sich nicht entziehen kann. — Die wirthscbaftlicben
Verhältnisse in Böhmen erlitten in Folge des dreissigjährigen
Krieges einen totalen Umschwung; die Zahlungen und Naturallieferungen
der Bauern hörten in der Zeit zwischen 1640—SO
vollends auf und an ihrer Stelle bequemten sich die Bauern theils
freiwillig theils gezwungen zur Erweiterung ihrer Robot in jenem
Ausmaasse, welches vor dem Jahre 1848 gegolten.