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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 59. Band, (Jahrgang 1868)

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G  i  n  d  e  I  y

überhaupt  bis  zum  30jährigen  Kriege  getragen  hat.  Im  J.  1613  traten
die  Stände  mit  dem  Könige  ein  fünfjähriges  Steuerabkommen,  wornach
  das  Land  ungefähr  SOO.OOOThlr.  jährlich  zu  zahlen  hatte.  Binnen ­
  kaum  60  Jahren  hatte  sich  demnach  das  Budget  des  Landes  auf
das  vierfache  erhoben.  Die  Möglichkeit  hiefiir  lag  theils  in  dem  bedeutend ­
  erhöhten  Wohlstände,  der  nach  dem  Tode  Ferdinand's  I.  in
Böhmen  eintrat,  theils  in  dem  Zuströmen  der  edlen  Metalle  aus
Amerika,  die  am  Ende  des  16.  Jahrhunderts  den  Geldwerth  in  Europa
verringerten  und  die  Masse  des  Baargeldes  bedeutend  hohen.  —
Zu  den  obigen  800.000  Thalern  kam  noch  das  von  den  Venetianern
auf  400.000  Thaler  berechnete  (von  uns  aber  nicht  mehr  sicherzustellende) ­
  ordentliche  Einkommen  des  Königs.
Vergleicht  man  die  böhmischen  Staatseinkünfte  mit  denen  anderer ­
  von  den  Habsburgern  beherrschten  Länder,  so  ergibt  sich  eine
verhältnissmässig  doppelte  Belastung  dieses  Landes,  nur  Niederösterreich
  musste  mit  Böhmen  gleichen  Schritt  halten,  beide  Länder  wurden ­
  auf  das  äusserste  angespannt.  Manche  Länder,  wie  z.  B.  Mähren,
erfreuten  sich  dadurch  eines  bedeutenden  Vortheils,  weil  man  von
ihrer  Grösse  keine  richtige  Vorstellung  batte,  sie  für  kleiner  hielt
als  sie  waren  und  sie  darnach  belastete.  So  warf  man  auf  Mähren
häufig  nur  den  dritten  Theil  der  böhmischen  Last,  weil  man  Böhmen
für  dreimal  grösser  hielt.
Und  was  geschah  mit  all  dem  Gelde,  das  aus  Böhmen  einging?
Nicht  3  o/o»  jo  vielleicht  nicht  einmal  3  %  im  Durchschnitt  sind  für
Böhmen  verwendet  worden.  Der  Rest  93  »/„  bis  97  «/„  wurde  auf
die  Vertheidigung  Ungarns  und  auf  die  Bezahlung  der  desshalb  contrahirten
  Schulden  verausgabt.  Den  Beweis  für  dieses  ganz  ausserordentliche ­
  Verhältniss  liefern  die  böhmischen  Landtagsbeschlüsse.
Nicht  besser  erging  es  den  übrigen,  namentlich  den  deutsch-österreichischen ­
  Ländern.  Als  die  Habsburger  wegen  der  furchtbaren  Bedrängnisse ­
  durch  die  Türken  Schulden  auf  Schulden  häuften,  machten
sie  allmähligsämmtlicheLänder  der  neu  entstandenen  österreichischen
Monarchie  praktisch  mit  dem  Begriffe  einer  Staatsschuld  bekannt
Der  Staat,  der  bei  seinem  Entstehen  als  solcher  schuldenfrei  dastand,
schuldete  im  J.  1371  mehr  als  10—12  Millionen  Gulden,  eine  artige
Summe,  wenn  man  bedenkt,  dass  sie  etwa  das  5  —  Otäche  des  damaligen ­
  gesammten  Slaatseinkomniens  betrug.  Streng  genommen
haftete  fast  die  ganze  Summe  auf  der  alleinigen  Person  des  gemein-
            
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