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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 59. Band, (Jahrgang 1868)

Geschichtliches  über  einige  Seelenzustiinde  und  Leidenschaften.  307
ernstliches  Unwohlsein  vor  und  beauftragte  Sie-yeu,  den  Vorsteher
der  Register,  mit  der  Antwort.  Vom  frühen  Morgen  bis  zum  Mittag
kehrten  mehr  als  zehn  Abgesandte  zurück,  aber  Mu  kam  nicht.  Hiaotsung
  war  damals  acht  Jahre  alt  und  wunderte  sich  darüber  sehr.  Er
stellte  öfters  an  die  Leute  seiner  Umgebung  die  Frage:  Was  für  ein
Mensch  ist  derjenige,  den  man  rufen  lässt?  Warum  ist  er  bis  jetzt
nicht  gekommen?  Wann  soll  das  Herabblicken  an  dem  Vordache  ein
Ende  nehmen?
Der  König  von  Kuei-ki  sprach:  Der  Herr  Tsai  ist  hochmüthig
und  widersetzt  sich  dem  höchsten  Befehle.  Er  ist  bar  der  Gebräuche
eines  Dieners  unter  den  Menschen.  Wenn  nach  oben  der  Gebieter
der  Menschen  in  Erniedrigung  sich  beugt,  so  wird  nach  unten  die
grosse  Gerechtigkeit  nicht  geübt,  und  man  weiss  nicht  mehr,  durch
welche  Mittel  man  die  Lenkung  führen  soll.
Hierauf  machte  man  an  dem  Hofe  eine  Eingabe,  in  welcher  gefordert ­
  wurde,  dass  Mu  zu  dem  Beruhiger  des  Vorhofes  geleitet  und
das  Buch  der  Strafe  berichtigt  Averde.  Mu  fürchtete  sich.  Er  stellte
sich  an  die  Spitze  seiner  Söhne  und  jüngeren  Brüder  und  begab  sich
in  schlichter  Kleidung  zu  der  Thonvarte,  wo  er  die  Stirn  zu  Boden
senkte.  Bei  dem  Beruhiger  des  Vorhofes  angekommen,  wartete  er  auf
sein  Urtheil.  Die  Kaiserin  entschied  in  einer  höchsten  Verkündung,
dass  man  sich  an  die  alten  Einrichtungen  halten  könne.  Er  wurde
losgesprochen  und  zum  gemeinen  Menschen  erniedrigt  *)•
Meng-I,  Statthalter  von  Kuei-ki,  diente  Buddha  mit  allem  Ernste,
aber  er  wurde  von  Sie-ling-yün  verachtet.  Dieser  sprach  einst  zu  I:
Indem  er  die  Wege  findet,  entsprechender  Weise  auf  die  Beschäftigung ­
  des  Verstandes  wartet,  entsteht  der  Mann  des  Stockes 2 )  in  dem
Himmel  und  muss  mir  Ling-yün  voranstellen.  Wenn  er  ein  Buddha
wird,  so  steht  er  geAviss  mir  Ling-yün  nach.  —  I  A'erabscheute  diese
Worte  aus  tiefer  Seele ä ).
Heng  führte  den  Jünglingsnamen  Tsching-ping.  Im  Anfänge  des
Zeitraumes  Kien-ngan  (196  bis  220  n.  Chr.)  Avanderte  er  von  King-*)

  Das  Buch  der  Erhebung"  von  Tsin.
2 )  Der  Mann  des  Stockes  bezeichnet  einen  Greis  und  Ältesten.
3 )  Das  von  Tschin-yö  verfasste  Buch  der  Song-.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  L1X.  Bd.  II.  Hft.

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