Geschichtliches über einige Seelenzustiinde und Leidenschaften. 307
ernstliches Unwohlsein vor und beauftragte Sie-yeu, den Vorsteher
der Register, mit der Antwort. Vom frühen Morgen bis zum Mittag
kehrten mehr als zehn Abgesandte zurück, aber Mu kam nicht. Hiaotsung
war damals acht Jahre alt und wunderte sich darüber sehr. Er
stellte öfters an die Leute seiner Umgebung die Frage: Was für ein
Mensch ist derjenige, den man rufen lässt? Warum ist er bis jetzt
nicht gekommen? Wann soll das Herabblicken an dem Vordache ein
Ende nehmen?
Der König von Kuei-ki sprach: Der Herr Tsai ist hochmüthig
und widersetzt sich dem höchsten Befehle. Er ist bar der Gebräuche
eines Dieners unter den Menschen. Wenn nach oben der Gebieter
der Menschen in Erniedrigung sich beugt, so wird nach unten die
grosse Gerechtigkeit nicht geübt, und man weiss nicht mehr, durch
welche Mittel man die Lenkung führen soll.
Hierauf machte man an dem Hofe eine Eingabe, in welcher gefordert
wurde, dass Mu zu dem Beruhiger des Vorhofes geleitet und
das Buch der Strafe berichtigt Averde. Mu fürchtete sich. Er stellte
sich an die Spitze seiner Söhne und jüngeren Brüder und begab sich
in schlichter Kleidung zu der Thonvarte, wo er die Stirn zu Boden
senkte. Bei dem Beruhiger des Vorhofes angekommen, wartete er auf
sein Urtheil. Die Kaiserin entschied in einer höchsten Verkündung,
dass man sich an die alten Einrichtungen halten könne. Er wurde
losgesprochen und zum gemeinen Menschen erniedrigt *)•
Meng-I, Statthalter von Kuei-ki, diente Buddha mit allem Ernste,
aber er wurde von Sie-ling-yün verachtet. Dieser sprach einst zu I:
Indem er die Wege findet, entsprechender Weise auf die Beschäftigung
des Verstandes wartet, entsteht der Mann des Stockes 2 ) in dem
Himmel und muss mir Ling-yün voranstellen. Wenn er ein Buddha
wird, so steht er geAviss mir Ling-yün nach. — I A'erabscheute diese
Worte aus tiefer Seele ä ).
Heng führte den Jünglingsnamen Tsching-ping. Im Anfänge des
Zeitraumes Kien-ngan (196 bis 220 n. Chr.) Avanderte er von King-*)
Das Buch der Erhebung" von Tsin.
2 ) Der Mann des Stockes bezeichnet einen Greis und Ältesten.
3 ) Das von Tschin-yö verfasste Buch der Song-.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. L1X. Bd. II. Hft.
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