300
Pfizmaier
aus und vermehrte auf diese Weise den Grund Pe’s. Als Pe dies
bemerkte, schämte und fürchtete er sieh. Nachdem er dasjenige, wo
er eingedrungen war, zurückgegeben hatte, blieb noch als Zwischenraum
eine Klafter i).
Einst zu den Zeiten des Kaisers Siuen versammelten sich die
Fürsten, die Reichsminister und die Großen an dem Hofe in der Vorhalle.
Im Verlaufe des Gespräches sagte der Reichsgehilfe, er habe
gehört, dass die Eule ein Junges zur Welt bringe. Das Junge wird
gross und verzehrt seine Mutter. Es ist dann im Stande zu fliegen. Ob
dieses sich wohl so verhalte?
Ein weiser Mann, der mit Tugend begabt war, antwortete: Ich
habe nur gehört, dass das Junge des Raben sie seinerseits füttert.
Den Reichsgehilfen und grossen Beruhiger reute es, dass er etwas
Unrechtes gesagt hatte. Die versammelten Staatsdiener schätzten den
Reichsgehilfen gering und priesen die Worte jenes weisen Mannes,
die für die Umgestaltungen der Tugend von Nutzen waren. Aus
diesem Grunde verdeckt der Weisheitsfreund das Böse und veröffentlicht
das Gute. Bei den Vögeln und wilden Thieren hat er schon
Dinge, die er zu sagen vermeidet. Um wie viel mehr ist dies der Fall
bei Menschen 2)!
In dem Reiche Tschin lebte ein Mann Namens Tschang-pe-kiai.
Das Weib seines jüngeren Bruders Tschung-kiai kochte an dem Herde.
Sie ging zu dem Brunnen und sprach zu Pe-kiai: Gefällt dir mein
heutiger Putz besser? — Jener sprach: Ich bin Pe-kiai.
Das Weib war sehr beschämt. Am Abende desselben Tages kam
Pe-kiai daher und wechselte die Kleider. Das Weib folgte ihm
wieder, zerrte an seinem Rücken und sprach: Heute war ich in einem
grossen Irrthum. Ich redete Pe-kiai an und glaubte, du seist es. —
Jener antwortete: Ich bin der frühere Pe-kiai s).
'*) Das Verzeichniss der Vorbilder von Kuei-ki.
2 ) Die neuen Erörterungen Hoan-tse’s.
3 ) Das Durchdringen der Sitten und Gewohnheiten.