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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 59. Band, (Jahrgang 1868)

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P  f  i  z  in  a  i  e  r

Pfeffer.  Sein  Geschmack  übertraf  den  Most  und  süssen  Wein.  Die
Menschen  daselbst  waren  von  Gemüthsart  sanft  und  nachgiebig.  Sie
befassten  sicli  nicht  mit  Streit  und  Zank.  Sie  besessen  ein  weiches
Herz  und  schwache  Knochen.  Sie  waren  nicht  stolz,  nicht  eingebildet. ­
  Altere  und  Jüngere  befanden  sich  in  derselben  Reihe.  Es  gab
keinen  Landesfürsten  und  kein  Volk.  Männer  und  Weiber  wandelten
ohne  Unterschied  umher.  Es  gab  keine  Vermittlung  und  keine  Brautwerbung. ­
  Sie  wohnten  dicht  an  den  Flüssen.  Sie  ackerten  nicht  und
säeten  nicht.  Die  Luft  des  Landes  war  warm  und  angenehm.  Sie
woben  nicht  und  kleideten  sich  nicht.  In  hundert  Jahren  starben  sie.
Es  gab  bei  ihnen  keinen  frühzeitigen  Tod  und  keine  Krankheiten  >).

Hoa-tse  von  Yang-li  in  Sung  erkrankte  in  seinen  mittleren
Jahren  und  ward  vergesslich.  Was  er  am  Morgen  nahm,  hatte  er  am
Abend  vergessen.  Was  er  am  Abend  gab,  hatte  er  am  Morgen  vergessen. ­
  Wenn  er  sich  auf  dem  Wege  befand,  vergass  er  zu
gehen.  Wenn  er  sich  in  dem  inneren  Hause  befand,  vergass  er  sich
zu  setzen  2 ).
Der  Sohn  des  Mannes  von  dem  Geschlechte  Fung,  eines  Eingebornen
  von  Thsiu,  besass  in  seiner  Jugend  hellen  Verstand.  Als
er  das  Mannesalter  erreichte,  litt  er  an  der  Krankheit  des  Irrthums
und  der  Täuschung.  Wenn  er  einen  Gesang  hörte,  so  glaubte  er,  es
werde  geweint.  Wenn  er  etwas  Weisses  sah,  so  glaubte  er,  es  sei
schwarz.  Wenn  er  sich  zu  etwas  Wohlriechendem  wendete,  so  hielt
er  es  für  übelriechend.  Kostete  er  etwas  Süsses,  so  hielt  er  es  für
bitter.  Handelte  er  unrecht,  so  hielt  er  es  für  recht.
Der  Mann  des  Geschlechtes  Yang  sagte  zu  seinem  Vater:  Die
Weisheitsfreunde  von  Lu  besitzen  viele  Künste  und  Fertigkeiten.
Warum  fragst  du  sie  nicht?
Sein  Vater  reiste  nach  Lu  und  traf  Lao-tan,  den  er  von  den
Krankheitserscheinungen  seines  Sohnes  in  Kenntniss  setzte.
Lao-tan  sprach:  Woher  weisst  du,  dass  dein  Sohn  von  Irrthum
befangen  ist?  Gegenwärtig  befinden  sich  alle  Menschen  der  Welt  im
Irrthum,  und  unter  ihnen  ist  Keiner,  der  ernüchtert  wäre.  Auch

*)  Aus  dem  Buche  Lfe-tse.
2 )  Aus  dem  Buche  l.iiT-tse.
            
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