Geschichtliches über einige Seelenzustände und Leidenschaften. 25 i
Wen, Fürst von Tsin, war auf die Jagd gezogen. Bei der Verolgung
eines Wildes gelangte er in einen grossen Sumpf. Er verirrte
sich und wusste keinen Ausweg. An dem Orte befand sieh ein Fischer.
Fürst Wen sprach zu ihm: Ich bin dein Landesherr. Führe mich
heraus, ich werde dich reichlich beschenken. — Hierauf gelangte er
bald heraus.
Der Fischer sprach: Es ist mein Wunsch, etwas vorzubringen.
Fürst Wen sprach: Von welcher Art ist das, womit du mich
belehren willst?
Der Fischer sprach: Die wilden Gänse und die Schwäne sind
geschützt in den Flüssen und in dem Meere. Wenn sie dessen überdrüssig
werden und zu den kleinen Sümpfen hinüberziehen, haben sie gewiss
den Kummer der Armbrustkugel und der Pfeilschnur. Die Schildkröten
und die Fische sind geschützt in den Abgründen der Wasser. Wenn
sie dessen überdrüssig werden und in die seichten Flussarme hinaustreten,
haben sie gewiss den Kummer der Netze. Jetzt hast du, o
Gebieter, das Wild verfolgt und bist hierher gelangt. Wie solltest du
dich in deinem Handeln weit davou entfernt haben?
Fürst Wen sprach: Vortrefflich ') !
König Wen fragte: Gibt es unter den Menschen grosse Vergesslichkeit?
Tschö-tse antwortete: Eine grosse Vergesslichkeit kennt das
Böse des eigenen Selbst, aber bessert sich nicht. Sie mordet dadurch
das eigene Selbst und wird des Leibes verlustig. Einen solchen
Wandel führen, nennt man eine grosse Vergesslichkeit 3 ).
Als Yü die Wasser und die Erde in Ordnung brachte, verirrte
er sich und verfehlte den Weg. Er gelangte aus Versehen zu einem
Reiche. In diesem Reiche befand sich ein Berg, dessen Name Hu-ling
(die Bergtreppe des Topfes). Auf demselben war eine Öffnung, deren
Name Thse-liiue (die befeuchtende Höhle). Daselbst quoll ein Wasser
hervor, dessen Name Schin-fen (die göttliche Quelle des Berggipfels).
Der Geruch desselben übertraf die Luftblume und den
1 ) Aus den neuen Einleitungen.
a ) Aus dem Buche Tscho-tse.