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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 59. Band, (Jahrgang 1868)

Geschichtliches  über  einige  Seelenzustände  und  Leidenschaften.  25  i

Wen,  Fürst  von  Tsin,  war  auf  die  Jagd  gezogen.  Bei  der  Verolgung
  eines  Wildes  gelangte  er  in  einen  grossen  Sumpf.  Er  verirrte
sich  und  wusste  keinen  Ausweg.  An  dem  Orte  befand  sieh  ein  Fischer.
Fürst  Wen  sprach  zu  ihm:  Ich  bin  dein  Landesherr.  Führe  mich
heraus,  ich  werde  dich  reichlich  beschenken.  —  Hierauf  gelangte  er
bald  heraus.
Der  Fischer  sprach:  Es  ist  mein  Wunsch,  etwas  vorzubringen.
Fürst  Wen  sprach:  Von  welcher  Art  ist  das,  womit  du  mich
belehren  willst?
Der  Fischer  sprach:  Die  wilden  Gänse  und  die  Schwäne  sind
geschützt  in  den  Flüssen  und  in  dem  Meere.  Wenn  sie  dessen  überdrüssig
werden  und  zu  den  kleinen  Sümpfen  hinüberziehen,  haben  sie  gewiss
den  Kummer  der  Armbrustkugel  und  der  Pfeilschnur.  Die  Schildkröten
und  die  Fische  sind  geschützt  in  den  Abgründen  der  Wasser.  Wenn
sie  dessen  überdrüssig  werden  und  in  die  seichten  Flussarme  hinaustreten, ­
  haben  sie  gewiss  den  Kummer  der  Netze.  Jetzt  hast  du,  o
Gebieter,  das  Wild  verfolgt  und  bist  hierher  gelangt.  Wie  solltest  du
dich  in  deinem  Handeln  weit  davou  entfernt  haben?
Fürst  Wen  sprach:  Vortrefflich  ')  !

König  Wen  fragte:  Gibt  es  unter  den  Menschen  grosse  Vergesslichkeit? ­

Tschö-tse  antwortete:  Eine  grosse  Vergesslichkeit  kennt  das
Böse  des  eigenen  Selbst,  aber  bessert  sich  nicht.  Sie  mordet  dadurch
das  eigene  Selbst  und  wird  des  Leibes  verlustig.  Einen  solchen
Wandel  führen,  nennt  man  eine  grosse  Vergesslichkeit 3 ).

Als  Yü  die  Wasser  und  die  Erde  in  Ordnung  brachte,  verirrte
er  sich  und  verfehlte  den  Weg.  Er  gelangte  aus  Versehen  zu  einem
Reiche.  In  diesem  Reiche  befand  sich  ein  Berg,  dessen  Name  Hu-ling
(die  Bergtreppe  des  Topfes).  Auf  demselben  war  eine  Öffnung,  deren
Name  Thse-liiue  (die  befeuchtende  Höhle).  Daselbst  quoll  ein  Wasser
hervor,  dessen  Name  Schin-fen  (die  göttliche  Quelle  des  Berggipfels). ­
  Der  Geruch  desselben  übertraf  die  Luftblume  und  den

1 )  Aus  den  neuen  Einleitungen.
a )  Aus  dem  Buche  Tscho-tse.
            
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