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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 59. Band, (Jahrgang 1868)

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Muss  a  f  i  a

Sibilanten.
74.  Es  gibt  ein  scharfes  und  ein  weiches  s.  Als  concumerendes
Zeichen  für  beide  Aussprachen  muss  x  angesehen  werden.  Wenn
laxe  B  42  neben  lassa  B  467  vorkommt,  so  werden  wir  keine  Verschiedenheit ­
  der  Aussprache  annehmen,  sondern  in  ersterer  Form
eine  Erinnerung  an  die  lateinische  Orthographie  erblicken.  Und  hatte
man  sich  gewöhnt,  x  als  Zeichen  für  scharfes  s  zu  gebrauchen,  so
schrieb  man  auch  istexa  B  354,  xembianze  B  58,  obwohl  diesen
Wörtern  kein  lateinisches  x  zu  Grunde  liegt.  Eben  so  zeigen  Schreibungen ­
  wie  raxon  B  42  rason  B  289,  dexedra  E  362  desedra
E  308,  tutrix  L  41  consolatris  L  59,  dass  x  und  s  indifferent  gebraucht ­
  wurden,  um  den  Laut  des  weichen  s  zu  bezeichnen.  Hie  und
da  findet  man  z,  wo  man  weiches  s  (x)  erwarten  würde:  cazon
A  239  neben  cason  A  237,  tradhizon  E  122  neben  demandaxon
B  436,  mazon  0  314  neben  mason  B  250,  parezai  D  104  neben
parese  D  74.  Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  auch  hier  nur  ein
Schwanken  in  der  Schreibung,  nicht  aber  in  der  Aussprache,  vorliegt ­
  >).  Endlich  kommt  auch  sc  vor  e,  i  vor.  Ich  glaube  nicht,  dass
damit  s  (fr.  cli)  gemeint  sei,  sondern  sehe  darin  wieder  nur  etymologisierende ­
  Schreibung  für  scharfes  s:  amonisee  E  295  und  amonisse
E  293  stellen  wohl  dieselbe  Aussprache  dar.  In  der  That  findet  man
auch  niscun  P  77,  das  kaum  anders  als  nissun  laulen  kann  und  uns
zeigt,  dass  man  sc  und  ss  als  äquivalent  betrachtete.
75.  Überblicken  wir  nun  die  Quellen  aus  denen  s  floss,  so  ergibt ­
  sich  folgendes  Schema:
Scharfes  s,  geschrieben  s,  ss,  sc,  x.
—  it.  ss,  lat.  ss,  x,  ps:  rixe  B  31,  traxe  B  423,  istexa  B  354
—  it.  s,  lat.  sc,  x,  stj:  incresudi  B  266,  laxivitä  E  335,  insiva
B  477  enxiva  B  334,  angosa  I)  107  angoxosamente.


1)  In  falzo  B  614  neben  falso  B  615  und  valzente  ß  135  mag  dagegen  z  wie  im  Italienischen ­
  lauten.  Die  Schärfung  des  sibilanten  Lautes  wurde  von  dem  vorangehenden ­
  l  herbeigefiihrt.
2 )  Man  bemerke  cossa  B  93  (auch  lat.  caussa)  ;  zugleich  ossa  D  303  ossanza  A  398,
reposse  B  52.  Ist  es  ein  Zufall,  dass  auch  in  letzteren  Beispielen  die  Schärfung
des  s  nach  ursprünglichem  au  stattfindet?
            
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