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Stark
Personen- und Ortsnamen eine Willkür und Verwirrung um sich
gegriffen, wie sie kaum auf einem zweiten Gebiete der Wissenschaft
wieder gefunden wird. Dieser Thatsache gegenüber habe ich,
gestützt auf sorgsame Studien und auf eine Sammlung von deutschen
und keltischen Personen- und Ortsnamen, wie sie in diesem
Umfange einem Zweiten gewiss nicht zu Gebote steht, mir die, ich
weiss es, schwierige Aufgabe gestellt, die keltischen Namen, die bis
jetzt den deutschen beigezählt sind, zu bestimmen und zu scheiden
und so eine sichere Grundlage zu schaffen für ein wahrhaft deutsches,
aber auch für ein von ihm getrenntes keltisches Namenbuch.
Im Vorliegenden bringe ich eine kleine Sammlung keltischer
Namen aus dem Verbrüderungsbuche des Stiftes St. Peter zu Salzburg
i), in welche ich auch irische Namen, die als solche bereits erkannt
sind, aufgenommen habe, da es hier galt sprachliche und andere
Irrthümcr in den vom Herrn v. Karajan gegebenen „Erläuterungen“
zu berichtigen.
Ob der von mir eingeschlagene Weg dem vorgesteckten Ziele
zuführt, muss einer sachkundigen Kritik zur Beurtheilung überlassen
bleiben; des Einen jedoch bin ich schon jetzt gewiss, dass diese
neuen Forschungen, trotz mancher Irrthümer im Einzelnen, namentlich
in dem so schwierigen etymologischen Theile, die Erkenntniss
vieler alt- und neukeltischen Namen erweitern und eine sorgfältigere
Untersuchung bei der Beurtheilung deutscher Namen hervorrufen
werden, als bis jetzt üblich war.
Bevor ich mich aber den keltischen Namen des Verbrüderungsbuches
zuwende, sollen die gegenwärtig in der deutschen Namenforschung
besonders hervortretenden Irrthümer an einigen Beispielen
veranschaulicht werden.
Gonotigernusmit derbeachtenswerthen Variante Cunautegernus
(ep. Silvanect. Conc. Aurel, a. 544) ist ein gallischer Name =
Cunau-tegernus, Cuno-tigernus, zusammengesetzt aus cuno, kymr.
cun (altitudo, summitas) Zeuss p. 109 s) und tigernus, kymr. tigern,
j ) Herausgegeben von Th. G. v. Karajan. Wien, 1852. — Ich benutze diese Stelle
zu bemerken, dass in meiner gänzlich umgearbeiteten Schrift „Die Kosenamen der
Germanen“ (Wien, Tendier, 1868) S. 4 die durch ein Versehen stehen gebliebenen,
dem Verhrüderungsbuche entnommenen biblischen Namen Jesus, Joliel und Suffonias
zu tilgen sind.
2 ) Vgl. Cuno-tamus Orelli n. 2779. armor. Cona-dam a. 851 Cart. de Redon n. 143.