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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 59. Band, (Jahrgang 1868)

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Stark

Personen-  und  Ortsnamen  eine  Willkür  und  Verwirrung  um  sich
gegriffen,  wie  sie  kaum  auf  einem  zweiten  Gebiete  der  Wissenschaft
wieder  gefunden  wird.  Dieser  Thatsache  gegenüber  habe  ich,
gestützt  auf  sorgsame  Studien  und  auf  eine  Sammlung  von  deutschen ­
  und  keltischen  Personen-  und  Ortsnamen,  wie  sie  in  diesem
Umfange  einem  Zweiten  gewiss  nicht  zu  Gebote  steht,  mir  die,  ich
weiss  es,  schwierige  Aufgabe  gestellt,  die  keltischen  Namen,  die  bis
jetzt  den  deutschen  beigezählt  sind,  zu  bestimmen  und  zu  scheiden
und  so  eine  sichere  Grundlage  zu  schaffen  für  ein  wahrhaft  deutsches,
aber  auch  für  ein  von  ihm  getrenntes  keltisches  Namenbuch.
Im  Vorliegenden  bringe  ich  eine  kleine  Sammlung  keltischer
Namen  aus  dem  Verbrüderungsbuche  des  Stiftes  St.  Peter  zu  Salzburg ­
  i),  in  welche  ich  auch  irische  Namen,  die  als  solche  bereits  erkannt ­
  sind,  aufgenommen  habe,  da  es  hier  galt  sprachliche  und  andere
Irrthümcr  in  den  vom  Herrn  v.  Karajan  gegebenen  „Erläuterungen“ ­
  zu  berichtigen.
Ob  der  von  mir  eingeschlagene  Weg  dem  vorgesteckten  Ziele
zuführt,  muss  einer  sachkundigen  Kritik  zur  Beurtheilung  überlassen
bleiben;  des  Einen  jedoch  bin  ich  schon  jetzt  gewiss,  dass  diese
neuen  Forschungen,  trotz  mancher  Irrthümer  im  Einzelnen,  namentlich ­
  in  dem  so  schwierigen  etymologischen  Theile,  die  Erkenntniss
vieler  alt-  und  neukeltischen  Namen  erweitern  und  eine  sorgfältigere
Untersuchung  bei  der  Beurtheilung  deutscher  Namen  hervorrufen
werden,  als  bis  jetzt  üblich  war.
Bevor  ich  mich  aber  den  keltischen  Namen  des  Verbrüderungsbuches ­
  zuwende,  sollen  die  gegenwärtig  in  der  deutschen  Namenforschung ­
  besonders  hervortretenden  Irrthümer  an  einigen  Beispielen
veranschaulicht  werden.
Gonotigernusmit  derbeachtenswerthen  Variante  Cunautegernus
(ep.  Silvanect.  Conc.  Aurel,  a.  544)  ist  ein  gallischer  Name  =
Cunau-tegernus,  Cuno-tigernus,  zusammengesetzt  aus  cuno,  kymr.
cun  (altitudo,  summitas)  Zeuss  p.  109  s)  und  tigernus,  kymr.  tigern,

j )  Herausgegeben  von  Th.  G.  v.  Karajan.  Wien,  1852.  —  Ich  benutze  diese  Stelle
zu  bemerken,  dass  in  meiner  gänzlich  umgearbeiteten  Schrift  „Die  Kosenamen  der
Germanen“  (Wien,  Tendier,  1868)  S.  4  die  durch  ein  Versehen  stehen  gebliebenen,
dem  Verhrüderungsbuche  entnommenen  biblischen  Namen  Jesus,  Joliel  und  Suffonias
zu  tilgen  sind.
2 )  Vgl.  Cuno-tamus  Orelli  n.  2779.  armor.  Cona-dam  a.  851  Cart.  de  Redon  n.  143.
            
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