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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 58. Band, (Jahrgang 1868)

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P  f  i  z  m  a  i  e  r

Einst  fuhr  Ngeu-ming,  ein  Sohn  der  Stadt  Lu-ling,  auf  dem
Wege  der  gastenden  Kaufleute  über  den  See  von  Peng-schl.  Er  warf
jedesmal  alles,  was  er  in  dem  Schiffe  besass,  ob  es  viel  oder  wenig
war,  in  den  See,  indem  er  sagte,  dass  er  ihm  dadurch  seine  Ehrfurcht ­
  bezeige.
Als  er  dies  durch  mehrere  Jahre  gethan  hatte  und  er  dann
hinüber  fuhr,  sah  er,  dass  mitten  in  dem  See  sich  ein  grosser  Weg
befand.  Auf  dem  Wege  war  viel  Wind  und  Staub.  Mehrere  Angestellte ­
  waren  auf  Wagen  und  Pferden  herbeigekommen  und  warteten.
Sie  sagten,  der  Gebieter  der  grünen  Fluth  heisse  sie  eine  Begegnung
veranstalten.  Ming  wusste,  dass  dies  ein  Gott  sei,  allein  er  getraute
sich  nicht,  den  Gang  zu  unterlassen.  Ihm  war  sehr  bange,  und  er
fragte  die  Angestellten,  indem  er  fürchtete,  nicht  mehr  zurüekkehren
zu  können.  Die  Angestellten  sprachen:  Dir  braucht  nicht  hange  zu
sein.  Wegen  der  Artigkeiten,  die  du  ihm  in  früherer  und  in  späterer
Zeit  erwiesen,  muss  der  Gebieter  der  grünen  Fluth  dir  auf  ausgezeichnete ­
  Weise  begegnen.  Von  all’  den  Dingen,  die  er  dir  anbieten
wird,  mögest  du  nichts  zusammenlesen.  Begehre  bloss  Ju-yuen  und
entferne  dich.
Man  bot  ihm  wirklich  ein  Geschenk  von  bunten  Seidenstoffen.
Ming  verweigerte  die  Annahme  und  begehrte  Ju-yuen.  Der  Gott  wunderte ­
  sich  sehr,  dass  Ming  sie  kannte,  und  zeigte  grosses  Leidwesen. ­
  Er  konnte  nicht  umhin,  Ju-yuen  zu  rufen.  Er  hiess  sie  Ming
folgen  und  sich  entfernen.  Ju-yuen  (nach  Wunsch)  war  die  Sclavin
der  grünen  Fluth,  und  der  Gott  hatte  sie  immer  beauftragt,  Gegenstände ­
  zu  holen.
Ming  nahm  Ju-yuen  und  kehrte  zurück.  Alles,  was  er  wünschte,
erlangte  er  ohne  Umstände.  Nach  einigen  Jahren  war  er  ein  sehr
reicher  Mann  geworden.  Sein  Gemüth  wurde  jedoch  allmälig  stolz,
und  er  liebte  Ju-yuen  nicht  mehr.
Einst  am  Morgen  des  neuen  Jahres,  als  der  Hahn  einmal  gekräht ­
  hatte,  rief  er  Ju-yuen.  Ju-yuen  stand  nicht  auf.  Ming  wurde
sehr  zornig  und  wollte  sie  schlagen.  Ju-yuen  entlief  und  Ming  verfolgte
sie  bis  auf  den  Mist.  Auf  dem  Mist  befand  sich  das  an  dem  vorher-.
  gegangenen  Tage  zusammengekehrte  Reisig  des  alten  Jahres.  Juyuen
  konnte  durch  dasselbe  sich  entfernen.  Ming  wusste  dieses  nicht
und  glaubte,  dass  die  Entlaufene  sich  in  dem  aus  gehäuftem  Reisig
gebildeten  Mist  befinde.  Er  schlug  mit  dem  Stocke  darauf,  damit  sie
            
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