ist es allerdings auffallend, warum unter den zahlreichen und umständlichen
Chronisten gerade der von Ludwig geleiteten Expedition
— man denke nur an Joinville und Wilhelm von Nangis — der D. 0.
Ritter so wenig Erwähnung geschieht, während die Templer und
Johanniter so häufig gelobt werden; „soit qu’ils aient reserve tous
les details pour les guerriers de leur nation, ou que les Teutoniques
ne leur parurent pas assez nombreux, pour faire ,un corps remareable
dans une aussi grande armee“ — so sucht sich Wal diese Erscheinung
zu deuten. Wir glauben jedoch, dass die Chronisten nicht viel
zu erzählen hatten, denn die D. 0. Brüder hatten ja gerade damals
schon ein anderes Feld ihrer Wirksamkeit in Preussen gefunden, ein
Feld, das ihre ganze Thätigkeit in Anspruch nahm und nehmen
musste. Im Oriente lebten im Haupthause unter einem Praeceptor
hospitalis Acconensis gewiss nur wenige Brüder, und diese waren es,
welche den König im Monate August 1250 in ihrem Hause begriissten.
Hätte damals Ludwig den deutschen Orden mit seinen Lilien
ausgezeichnet, wie wäre es möglich, diese Begabung von Seite der
Hochmeister, besonders als der fromme König schon im Jahre 1297
durch Bonifaz VIII. heilig gesprochen wurde, so gänzlich ausser Acht
zu lassen! Wenn der deutsche Orden auf diese von einem Heiligen
herrührende Wappenvermehrung in einer Zeit, wo des Hochmeisters
nahe Verwandte, die heilige Elisabeth, zur Patronin im Orden erwählt
wurde und man ihr zu Marburg einen herrlichen Dom zu bauen
anfing, wo, wie die alte Preussenehronik erzählt, der Glaube lebendig
war, kein Gewicht legte, wer kann uns verargen, wenn wir das
plötzliche Auftauchen jener Sage in einer Zeit, wo der Orden an
Kraft, weil am Glauben, verloren hatte, mit Misstrauen beurtheilen,
und im Namen der Geschichte es bedauern müssen, dass das historische
Krückenkreuz dem unhistorischen, jetzt sogar unheraldischen
Scepterkreuze des Hochmeisterschildes weichen musste. So viel von
dem Hochmeisterkreuze, welches stets auf der Hauptfahne des Ordens
prangte.
Und nun gehen wir zum Inhalte der Tafel. Wir sagten, dass
der Text auf den beiden Flügeln in 4 Columnen, in lateinischer, und
auf dem Mittelstücke in drei Columnen in deutscher Sprache vorliege.
Wir geben den deutschen Text. Nach der roth gehaltenen
Aufschrift : Hie auf der Tafel ist geschrieben etc. bis im tausend fünf-