Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 58. Band, (Jahrgang 1868)

164

1)  ii  il  i  k

Es  ist  auffallend,,  wie  dieses  schöne,  so  bedeutungsvolle  Abzeichen ­
  königlicher  und  kaiserlicher  Huld  durch  die  Länge  der  Zeit
verunstaltet  wurde,  so  dass  aus  dem  historischen  goldenen  Krückenkreuze ­
  ein  Lilien-,  und  in  neuester  Zeit  sogar  ein  Seepterkreuz
wurde,  tu  der  alten  heraldisch  richtigen  Form  sah  ich  das  Hochmeisterkreuz ­
  in  grossen  Dimensionen  auf  dem  Hauptthore  der  für
die  Baugeschichte  so  merkwürdigen  Elisabethkirche  zu  Marburg  in
Hessen;  unsere  Tafel  bewahrt  die  alte  Erinnerung,  verlor  aber  bereits
das  Verständniss  derselben,  die  einfache  Krücke  genügte  nicht  mehr,
sie  musst'e  Rundungen  erfahren  und  sich  die  Kleeblattform  gefallen
lassen,  gerade  wie  unter  den  Hoch-  und  Deutschmeistern:  Walter
>on  Kronberg,  Erzherzog  Maximilian  und  Erzherzog  Karl,  auf  die
Krücke  die  Lilie  gesetzt  wurde.
Da  dieses  Wappen  auch  in  der  österreichischen  Heraldik  noch
immer  eine  Rolle  spielt  —  der  deutsche  Ritterorden  ist  ja  in  den
österr.  Staaten  allein  begütert  und  zudem  ein  unmittelbares  Kronlelien
  —  so  mögen  hier  über  die  Geschichte  desselben  einige  Worte
stehen,  welche  ich  bereits  18S8  in  meiner  Beschreibung'  und  geschichtlichen ­
  Darstellung  der  Münz-Sammlung  des  deutschen  Ritterordens ­
  in  Wien  niedergeschrieben  und  documentirt  habe.
Die  sogenannte  alte  Ordenschronik  erzählt,  dass  König  Johann
von  Jerusalem  als  Zeichen  seiner  Huld  und  königlicher  Belohnung
für  die  erspriesslichen  Dienste  und  die  Tapferkeit  der  D.  0.  Brüder,
die  sie  im  Jahre  1219  bei  Damiette’s  Belagerung  bewiesen  hatten,
dem  Hochmeister,  Hermann  von  Salza,  und  allen  seinen  Nachfolgern
die  ehrenvolle  Erlaubniss  ertheilt  hatte,  in  ihrem  schwarzen  Kreuze
das  goldene  Kreuz  von  Jerusalem  führen  zu  dürfen.  Dushurg,  sowie
alle  älteren  Quellen  wissen  zwar  von  dieser  Auszeichnung  nichts  zu
erzählen,  auch  die  späteren  Chronisten,  ja  selbst  Hartknoch,  sind
hierin  irrig  und  uneins;  nichts  desto  weniger  muss  diese  Begabung
als  historisch  richtig  angenommen  werden,  weil  das  goldene  Krückenkreuz ­
  von  Jerusalem  in  allen  bis  jetzt  bekannt  gewordenen  Secret-Siegeln
  der  Hochmeister,  und  auf  allen  Münzen  bis  zu  den  Zeiten
Johann's  von  Tiefen,  also  bis  zum  Jahre  1489,  ohne  Ausnahme  vorkommt. ­
  Ebenso  richtig  ist  es,  dass  Kaiser  Friedrich  II.  die  Ehre
dieses  so  belegten  Ordenskreuzes  mit  dem  schwarzen  deutschen
Reichsadler  im  goldenen  Felde  erhöht  hatte.  Eine  Urkunde-existirt
zwar  nicht  über  diese  Gnadengabe,  Dusburg  ist  hierüber  in  seiner
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.