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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 58. Band, (Jahrgang 1868)

I  B2

i)  ii  (i  r  k

remissionem  oranium  pecatorum  suorum  consequentur.  Multas  alias
concessiones  et  gratias  invenies  in  ista  tabula,  quam  certis  temporibus
  videbis  apertam.  Laus  deo  et  eius  castissime  genitrici“.
Betrachten  wir  näher  die  vier  Bilder,  von  denen  die  obern
26  Cent,  breit  und  31  Cent,  bocli  sind,  die  untern  hingegen
zwar  auch  26  Cent,  in  der  Breite,  aber  nur  21  Cent,  in  der  Höbe
messen.
Das  erste  Bild  am  rechten  Flügel  stellt  die  Verkündigung  Mariens
dar,  und  zwar  wie  sie  von  den  altern  deutschen  Künstlern  aufgefasst ­
  wurde.  Maria  kniet  unter  einem  pistazien-grünen  Zelte  und
erbebt  die  zusammengelegten  Hände  zum  Gebete.  Vor  ihr  liegt  auf
einem  braunen  Bettstuhle  ein  aufgeschlagenes,  rotli  gebundenes  Buch;
ihr  goldgelbes  Haar  ist  lang  herabwallend,  sie  selbst  im  schwarzen
Kleide  mit  einem  weissen,  reiche  Falten  am  Boden  bildenden  Mantel;
ober  dem  goldenen  Heiligenscheine  der  heilige  Geist  in  Gestalt  der
Taube.  Eine  rotlie  Bank  ist  im  Hintergründe  sichtbar.  Die  Jungfrau
wendet  den  Kopf  gegen  den  grüssenden  Engel.  Es  ist  Gabriel,  welcher
unbedeckten  Hauptes  sich  eben  auf  das  linke  Knie  niedergelassen
batte,  um  die  Botschaft  zu  verkündigen.  Er  trägt  ein  weisses  Gewand
und  darüber  einen  rothen  Chormantel  mit  einer  goldenen  Schliesse,
womit  nicht  nur  die  englische  Reinheit,  sondern  auch  sein  Priesteramt ­
  ausgedrückt  wird.  Die  rechte  Hand  erbebt  sich  zum  Segen,
während  die  linke  statt  des  üblichen  Lilienstengels  einen  Goldscepter
  hält,  der  in  eine  Kreuzblume  endet.  Die  Eile  seiner  Botschaft ­
  drücken  die  von  seinen  Schultern  ausgehenden  Adierfittige
aus.  Sein  Ausdruck  ist  der  der  Ruhe,  Ehrfurcht  und  Freundlichkeit.
Das  Gegenstück  zeigt  die  gekrönte  Madonna,  gleichfalls  im
schwarzen  Kleide,  das  ein  weisser  Mantel  zum  grösseren  Tlieile  deckt.
Sie  sitzt  und  hält  auf  dem  Schosse  das  stehende  nackte  Jesuskind,
von  dessen  Haupte  rotlie  Strahlen  ausgelien,  wie  es  nach  einem
Apfel  greift,  den  ihm  die  heil.  Anna  im  grünen  Unterkleide,  das  ein
rothes  wallendes  Gewand  zum  Theile  verbirgt,  entgegenhält  —  das
Sinnbild  des  durch  Christum  wieder  eroberten  Paradieses  der  Er-'
lösung.  Anna’s  Haupt  umschliesst  ein  weisses  Tuch.
Wie  aus  demselben  Apfel,  aus  welchem  die  Sünde  kam,  auch
die  Erlösung  hervorgeht,  davon  spricht  folgende  vom  Freiherrn  von
Lassberg  im  Anhänge  zum  Grafen  Fritz  von  Kollre  mitgetheilte  Sage:
„Gott  warf,  so  heisst  es  darin,  den  Apfelbaum,  welcher  dem  ersten
            
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