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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 58. Band, (Jahrgang 1868)

*  156

I)  u  d  i  k

I.  Ablasstafel  vom  Jahre  14611.
Veranlasser,  dass  diese  Tafel  im  genannten  Jahre  1466  angefertigt ­
  wurde,  ist  der  Deutschordens-Priester,  Jacob  Wolgemuet,
damals  Komthur  und  Pfarrer  der  Deutschordens-Kirche  zur  heil.  Elisabeth ­
  in  Wien.  Er  seihst  hat  dies  am  Schlüsse  der  auseinandergesetzten ­
  Indulgenzen  mit  folgenden  Worten  angemerkt:  „Hane  tabulam
  disposuit  fieri  frater  lacobus  Wolgemuet,  tune  temporis  Commendator
  et  plebanus  huius  ecclesie.  Anno  Domini  M.CCCC.  sexagesimo
  sexto“.  Und  dass  hier  wirklich  von  der  D.  0.  Elisabethkirche
in  Wien  die  Rede  ist,  ersieht  man  aus  den  unmittelbar  dieser  Note
vorangegangenen,  mit  Mennig  geschriebenen  deutschen  Zeilen:  „Nach
crist  gepurd,  do  man  czalt  Tausend  dreie  hundert  vnd  in  dem  fiinfvndnewezigisten
  iar  an  dem  vierden  suntag  in  dem  advent  ist  geweicht ­
  worden  dy  gegenwärtig  chirchen,  vnd  ist  dy  chirichweich
gesetzt  an  Suntag  nach  Elisabeth“  —  eine  Thatsache,  welche  die
Gescliichte  der  Deutschordens-Commende  zu  Wien  vollkommen  bestätigt, ­
  und  eine  Bestimmung,  welche  sich  bis  auf  die  Zeiten  Kaisers ­
  Josef  11.  erhalten  hatte.
Die  Tafel  selbst  ist  aus  Nadelholz,  76  Centimeter  breit  und
60  Centimeter  hoch,  bildet  demnach  ein  längliches  rechtwinkeliges
Viereck,  und  wird  von  einem  im  vorigen  Jahrhunderte  angefertigten
gekehlten,  braun  lackirten  Rahmen  von  0  Cent.  Breite  umfasst.  Auf
dem  reingehobelten,  mit  lichtbraunem  Pergamente  überzogenen,  aus
zwei  gleichen  Theilen  bestehenden  Breite  sind  in  4  Columnen,  die
Columne  zu  40,  41  und  42  Zeilen,  die  von  den  Päpsten  dem  deutschen
Ritterorden  verliehenen  Ablässe  in  deutscher  Sprache  mit  lateinischen
Buchstaben  niedergeschrieben  und  führen  die  Aufschrift:  „Item
summa  vnd  besamung  des  ablas  der  prüder  des  deiutsches  ordens
des  Spital  vnser  lieben  Frawen  zu  Jherusalern,  Anno  Domini  Milesimo.
CCCC».  sexagesimo  sexto“.  Es  zeigt  demnach  diese  Aufschrift,  dass
die  hier  niedergelegten  Ablässe  wirklich  für  den  gesammten  deutschen ­
  Ritterorden  geltend  sind.
Dass  jedoch  das  vorliegende  Exemplar  speciell  für  die  St.  Elisabeth-Kirche ­
  in  Wien  bestimmt  war,  haben  wir  bereits  erwähnt.
Dies  wohl  die  Ursache,  dass  statt  des  Initials  der  ersten  Zeile  eine
nette  Miniatur,  9  Centimeter  hoch  und  9  Cent,  breit,  die  heil.  Eli-
            
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