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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 58. Band, (Jahrgang 1868)

Reichthum  und  Armuth  in  dem  alten  China.

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zurück  und  entflohen.  Sie  beluden  die  Wagen  mit  Erde  und  bedeckten ­
  den  oberen  Theil  mit  Hülseufrüchten.  Die  Krieger  litten  Hunger
und  wetteiferten,  sie  wegzunehmen.  Die  rotheu  Augenbrauen  kehrten
sofort  zurück  und  machten  einen  Angrift'.  Das  Kriegsheer  schmolz
zusammen  und  gerieth  in  Unordnung.
Um  diese  Zeit  herrschte  unter  den  Geschlechtern  des  Volkes
Hungersnoth  und  die  Menschen  verzehrten  einer  den  andern.  Ein
Pfund  gelben  Goldes  vertauschte  man  gegen  fünf  Ganting  Reis.  Die
Wege  waren  abgeschnitten  und  ungangbar,  die  Zufuhren  gelangten
nicht  zur  Stelle.  Sämmtliche  Krieger  des  Heeres  benützten  die  Samen
der  Früchte  als  Mundvorrath 1 ).
Keng-kung  befand  sich  in  der  festen  Stadt  Su-11  und  keine
Streitmacht  erschien  zum  Entsätze.  Nach  einigen  Monaten  waren  die
Lebensmittel  zu  Ende  gegangen,  und  es  herrschte  Elend  und  Noth.
Er  kochte  jetzt  Panzer  und  Armbrüste  und  verzehrte  Sehnen  und
Leder 2 ).
In  der  Welt  herrschte  Unordnung  und  die  Menschen  verzehrten
einer  den  andern.  Li,  der  jüngere  Bruder  Tschao-hiao’s,  wurde  von
hungrigen  Mördern  gefangen.  Hiao  erfuhr  dieses.  Er  band  sich
sofort  selbst,  ging  zu  den  Mördern  und  sprach:  Li  hat  lange  Zeit
Hunger  gelitten  und  ist  abgemagert,  er  ist  nicht  so  gut  wie  ich,  der
ich  fett  und  satt  hin.  —  Die  Mörder  erschraken  heftig  und  entliessen
  sie  Beide  2 ).
Die  rothen  Augenbrauen  drangen  in  Tschang-ngan.  In  den
Seitengebäuden  des  Palastes  befanden  sich  mehrere  hundert  bis
tausend  Menschen.  Seit  der  Zeit,  als  Keng-schi  geschlagen  worden,
verschlossen  sie  das  Thor  der  Vorhalle  und  traten  nicht  heraus.  Sie
gruben  die  Wurzeln  des  in  dem  Vorhofe  wachsenden  Schilfrohres
aus,  fingen  die  Fische  in  dem  Teiche  und  verzehrten  sie.  Die  Todten
wurden  in  dem  Palaste  begraben.
Daselbst  befand  sich  ein  alter  Tempel.  Ein  Tonkünstler  aus
Kan-tsiuen  schlug  noch  immer  in  ihrer  Gesellschaft  die  Trommel,
sang  und  tanzte.  Seine  Kleidung  war  dünn  und  durchsichtig.  Er  sah
Fen-tse,  schlug  das  Haupt  gegen  den  Boden  und  sagte,  dass  er  hungrig

J )  Tung-kuan-han-ki.
2 )  Tung-kuan-han-ki.
*)  Das  Buch  der  späteren  Han  von  Sie-sching.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LVIII.  Bd.  II.  Hft.

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