Reichthum und Armuth in dem alten China.
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Lieu-tschin-tschang wohnte in seiner Jugend in Tan-tu. Sein
Haus war äusserst arm, und er wob Schuhe aus Schachtelhalm, um
seine Mutter zu ernähren.
Der Garten der Gespräche sagt:
Tse-sse wohnte in Wei. Er trug einen hänfenen Mantel ohne
Futter. In zweimal zehn Tagen ass er neunmal.
In den vermischten Erzählungen der westlichen Mutterstadt
wird gesagt:
Sse-ma-siang-ju begah sich anfänglich mit (seiner Gattin)
Tschö-wen-kiün nach Tsching-tu. Wen-kiün war arm und niedergeschlagen.
Sie ging mit dem Pelze von Sü-schuang •}, in den sie gekleidet
war, zu Yang-tschang, einem Menschen des Marktes, und
erhandelte dafür Wein. Hierauf kam man überein, nach Tsching-tu
zurückzukehren und den Wein zu verkaufen. Siang-ju legte seihst
einen Badegürtel an und wusch die Gefässe. Er wollte dadurch (den
reichen Schwiegervater) Wang-sün beschämen.
Das Buch Lie-tse sagt:
In Tsi war ein Armer, der auf dem Markte der festen Stadt
bettelte. Er trauerte über sein Elend, doch Keiner von Allen gab ihm
etwas. Er begab sich hierauf zu dem Stalle des Geschlechtes Tien.
Er schloss sich daselbst an die Pferdeknechte, verrichtete Dienste
und entlieh Speise. Die Menschen in der Vorstadt verspotteten ihn
und sagten: Schämst du dich nicht, dass du dich den Pferdeknechten
anschliessest und dich auf diese Weise ernährst? — Der Bettler
sprach: Unter den Dingen, deren man sich in der Welt schämt, geht
nichts über das Betteln. Zu betteln habe ich mich gleichsam nicht
geschämt, warum sollte ich mich der Pferdeknechte schämen?
Dasselbe Buch Lie-tse sagt:
Der Mann des Geschlechtes Kuo von Tsi war sehr reich. Der
Mann des Geschlechtes Hiang von Sung war sehr arm. Dieser begab
sich von Sung nach Tsi, um sich über die Kunst Rath zu erholen.
Der Mann des Geschlechtes Kuö sagte zu ihm: Ich verstand mich
gut auf das Stehlen. Als ich zu stehlen anfing, hatte ich in einem Jahre
mir zur Stelle geschafft. Nach zwei Jahren hatte ich zur Genüge.
Nach drei Jahren hatte ich grossen Überfluss. Seit dieser Zeit ging
*) Der Vogel Su-schuang, eine Art Paradiesvogel.