Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

B  r  u  n  n  e  r

768
Übrigens  kann  auch  nach  jener  Gruppe  von  Rechten,  wo  die
Zustimmung  subsidiär  fingiert  wird,  der  Mündel  genöthigt  werden, ­
  sich  über  seine  Stellung  zum  Worte  des  Vorsprechers  zu  äussern.
Es  ist  nämlich  der  Gegner  berechtigt,  die  Frage  zu  stellen,  zu
welcher  nach  normannischem  Recht  der  Richter  verpflichtet  ist.  Er  hat
ein  Interesse  dies  zu  tliun,  denn  das  Octroi  des  Mündels  macht  es
ihm  möglich,  diesen  auf  eine  nachtheilige  Erklärung  des  Vorsprechers ­
  hin  sofort  beim  Worte  zu  nehmen,  prendre  ä  point,  ä  la  parote.
  Noch  ein  Rechtsbuch  des  14.  Jahrhunderts  für  Poitou,  Le  Livre
des  Droiz  et  des  Commandemens  sagt:  Quant  aucun  advocat  a
dit  pour  aucune  partie,  l’autre  partie  le  doit  faire  advou  er  *).
Eine  hervorragende  Rolle  spielt  das  octroi  demander  in  den  Assisen
  der  Haute  Cour.  Qui  plaüloie  en  la  Haide  Court  dou  royaume
de  Jerusalem  et  de  Chypre  se  doit  travaillier  de  faire  demander
otroy  ä  son  aversaire  pour  prendre  le  point  ä  point a ).  Arglist  und
heimtückische  Verstellung  finden  hier  ihr  fruchtbarstes  Feld.  Wer
den  Gegner  mit  Erfolg  heim  Worte  fassen  will,  muss  vor  allem  verhüten, ­
  dass  sein  Auftreten  diesen  auf  den  begangenen  Fehler  des  Vorsprechers ­
  aufmerksam  mache.  Es  gilt,  ihn  arglos  zu  erhalten,  die
Absicht  des  prendre  ä  point  so  wenig  als  möglich  merken  zu  lassen. ­
  Daher  soll  man  es  nach  Jean  d’Ibelin  ch.  26  vermeiden,  um  das
Octroi  zu  fragen,  wenn  man  auf  andere  Weise  seinen  Zweck  erreichen ­
  kann.  Denn  die  Frage:  Otreiex  vous  celä?  würde  den  Widerpart ­
  vielleicht  stutzen  machen,  er  könnte  die  Absicht  merken  und  durch
Besserung  der  nachtheiligen  Erklärung  den  zugedachten  Streich  parieren. ­
  Hat  man  kein  anderes  Mittel,  den  Gegner  beim  Worte  zu  fangen,
so  frage  man  um  das  Octroi  so  unverfänglich  als  möglich.  Et  le
face  ä  meins  de  contenance  que  il  pora  de  voleir  le  prendre  ä  point
por  ce  que  de  celle  faule  ne  s'en  gardent  et  l'amendent  maintenant.
  Ist  der  Mündel  in  die  Falle  gegangen,  so  ist  es  Aufgabe  des
hon  plaideor,  den  Fehler  der  octroierten  Rede  und  dessen  Consequenzen
  den  Dingleuten  so  deutlich  als  möglich  zum  Bewusstsein
zu  bringen.  —  Das  demander  octroi  dient  nicht  nur  dazu,  dem
Gegner  den  Weg  zur  Besserung  einer  fehlerhaften  Erklärung  ahzudes
  conseils  des  parties  cognoissoit  aueune  chose  qui  fust  nuisible  a  son  dient  .  .  .
le  dient  ou  ung  des  autres  Conseillers  le  pourroient  corriger  avant  .jugement  lait.
1 )  Art.  533,  herausgegeben  von  Beautemps-Beaupre.  Vgl.  Const.  du  Cbat.  A.  35.
2)  ClefXl.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.