Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Wort  und  Form  im  altfranzöäischeu  Process.

74  S

So  glaube  icli  wenigstens  den  Vorbehalt  verstehen  zu  dürfen,  welchen ­
  der  Vorsprecher  des  Beklagten  seiner  Rede  anfugt,  indem  er
erklärt:  Si  fais  je  bien  retenud  de  plus  fere  et  de  plus  dire  en
Heu  et  en  temps  quand  droit  m'i  amenra  >)....  si  que  je  ne
chide  mie  en  tort  envers  le  demandeur  ni  u  la  Justice  s ),
dont  je  vous  requiers  droit  comme  ä  Justice,  se  vous  le  me  deves
fere  ou  non,  ...  et  la  Justice  li  doit  faire  esgarder  en  la  court  par
droit.  .  .
Aus  dem  Gebiete  des  anglonormannischen  Rechtes  ist  der
coungd  de  beul  pleder,  'die  licentia  pidchre  placitandi  liieherzuzählen,
  worunter  die  von  den  Parteien  ausbedungene  Befreiung
von  der  Gefahr  der  Rede  zu  verstehen  ist.  Durch  Prov.  43,  Henry  III,
c.  11;  Stat.  de  Marieberge  52,  Henry  III.  c.  11;  Stat.  Westminster  I.  3,
Edw.  I.  c.  8  und  1  Edw.  III.  st.  2,  c.  8  wurde  es  verboten,  diese  Erlaubnis ­
  den  Parteien  gegen  Ablösungssummen,  Fines,  zu  verkaufen.
Nothwendig  wurde  dieses  oft  erneute  Verbot  durch  die  Unsitte,  dass
mancher  Richter  die  Parteien  so  lange  chicanierte  (occasionabat
arguendo  et  redarguendo)  bis  sie  finem  faciebant  pro  pidchre  placitando,
  d.h.  bis  sie  sich  durch  Versprechen  einer  Pauschalsumme  ein
für  allemal  von  den  Bussen  für  etwaige  einzelne  Verstösse  loskauftens).
Den  genannten  Cautelen,  welche  entweder  nur  local  oder  nur
unter  bestimmten  Voraussetzungen  zur  Anwendung  kommen,  reiht
sich  die  allenthalben  zulässige  Massregel  der  Zuziehung  von  Hilfspersonen ­
  und  —  was  hiedurch  ermöglicht  wird  —  das  Amendement
de  la  parole  an.  Die  Quellen  kennen  ein  zweifaches  Amendement,

*)  Folgt  eine  Verweisung  auf  1.  2  Cod.  Just.  VII,  30  (sentent.  resc.).
2 )  Damit  ist  doch  wohl  mehr  als  ein  blosses  Amendement  de  la  parole  gemeint.
3 )  Statutes  of  the  Realm  I,  9,  22,  28,  256,  Fleta  147,  §.  18,  Britton  I,  80.  A.  A.  Coke
Institutes  of  the  Laws  of  England  pt.  II,  122,  Reeves  History  of  the  engl.  Law
II,  70.  Ein  ähnlicher  Missbrauch  herschte  in  Westfalen  im  15.  Jahrh.  Siegel
Gefahr  19.  Anders  stand  die  Sache  in  London  ,  für  dessen  Gerichte  durch  ein
Privileg  König  Heinrichs  11.1154  die  rechtlichen  Folgender  Miskenniga(desMissesprechens) ­
  überhaupt  aufgehoben  wurden.  Hoc  etiam  eis  concessi  quod  in  civitate  in
nullo  placito  sit  Miskenninga.  Houard  Anciennes  Loix  des  Francois  (Rouen  1766)  II,
263.  Legg.  Henrici  I.  bei  S  c  h  m  i  d  Gesetze  der  Ags.  435,  §.  8,  und  ferner  LL.  Henr.  I.
c.  22:  transeunt  autem  (causae)  in  mislocutione,  miskenninge,  quae  magis  inhorruit
in  Londonia.  Miskenninga  hiess  auch  die  Busse,  welche  für  das  Missesprechen
bezahlt  wurde;  in  dieser  Bedeutung  findet  sich  das  Wort  häufig  in  den  Immunitätsurkunden ­
  für  englische  Kirchen.  Du  C  an  g  e  Gl.  IV,  432,  S  c  h  m  i  d  a.  a.  0.  Gl.  632.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.