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Brunner
hievon ist sie dem Gerichte gegenüber wegen Formfehlers von jeder
Busse oder doch von den Bussen bis zu 60 Sous befreit.
Nach den Etablissements de Saint Louis konnte, wie es scheint,
die Partei, respective deren Vorsprecher, durch ein Urtheil der
Schöffen feststellen lassen, dass eine Unvollkommenheit der Bede,
ein Verstoss gegen das strenge Recht, weder dem Gerichte, noch
dem anderen Streittheile gegenüber zum Schaden gereichen solle ').
obtenu du lieutenant du Seigneur Pautorisation de parier par lui-meme en se conformant
aux usages. Le lieutenant du Seigneur peut accorder cette permission sous
peiue de LX sous d’amende en cas d’infractiou ou meine sans stipuler une sotame d’argent.
Mais dans tous les cas il doit dire: II me plait bien que vous parliez sans vous
dcarter des usages et (!) pourvu que vous ne disiez rien d’offensant aux echevins
ni & d’autres \ Das ist unrichtig. Die Partei bittet nicht um Befreiung vom Vorsprecherzwang,
denn ein solcher existierte nicht (Sieh R o i s i n 25, N. 11) sondern um congiet
de parier sans entrepresure. Auf den Gegensatz, in dem dieses zum parier par loy
steht, wird der Ton gelegt. EinZugeständniss, mit Beachtung aller Förmlichkeiten
sprechen zu dürfen, wie Brun-Lavainne diesen Passus fasst, ist ein Unding.
Darum braucht die Partei nicht erst zu bitten. Und wozu dann die Ausnahme des
lait dit bezüglich der Schöffen und anderer, das doch gewiss nicht conforme aux
usages war. Durchschlagend ist folgendes: 1351 wurde in Lille der alte Eidesformalismus
aufgehoben und bestimmt, dass die Parteien puissent jurer sans aucune
entrepresure (Roisin 35). Hier wird es durch den Zusammenhang (il ne poet meffaire
amende aucune pour le dit sairement) und durch die Ordonnanz von 1350
(Roisin 388) ausser Zweifel gesetzt, dass nicht ein Recht mit Beobachtung aller
Förmlichkeiten, sondern ein Recht gefahrlos zu schwören statuiert werden sollte.
In ähnlicher Weise ist der Ausdruck congiet de parier sans entrepresure zu fassen.
In Fällen wo der Richter das Recht hatte, von der Partei einen Eid zu verlangen,
konnte er sich nicht etwa blos die Gefahr des Eides, sondern den Eid
selbst abkaufen lassen. Wenn die vorgeladene Partei sich zweimal wegen echter
Noth hat entschuldigen lassen, doit avoir li prevos de cascune (sonne) III sous artisiens
s’il les viult, s’il les voet laissier passer sans serment. Roisin 27, N. 4.
Durch Schöffensatzung vom 3. October 1351 wurde die Gefahr der Rede in
Fällen der Präsentation zum Eide überhaupt aufgehoben. Das Fehlen im Worte sollte
von da an in Lille nicht mehr geahndet werden. Et est assavoir que se les parties
se sont pr£sent£es h l’entente d’eschevins souffisamment, que ens es paroles dire ne
kiet nulle mespresure. (Roisin 31, N. 4.) Richtige Präsentation, von welcher in
den unmittelbar vorausgehenden Abschnitten (31 N. 2, 3) die Rede war, gilt als
Voraussetzung der Befreiung von der Gefahr der Rede. Brun-Lavainne kehrt
auch hier den Gedanken des Rechtsbuches vollständig um, wenn er sagt: Il est
assavoir que les parties sont duement presentees h Paudience quand les paroles cidessus
ont ete dites sans alteration.
l ) Ihtabl. 11,14. Die Stelle kann wegen der vielfachen Beziehungen auf den Codex Justin,
nur mit Vorsicht benützt werden. Ich gebe daher diese Interpretation nur mit Reserve.