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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Brunner

hievon  ist  sie  dem  Gerichte  gegenüber  wegen  Formfehlers  von  jeder
Busse  oder  doch  von  den  Bussen  bis  zu  60  Sous  befreit.
Nach  den  Etablissements  de  Saint  Louis  konnte,  wie  es  scheint,
die  Partei,  respective  deren  Vorsprecher,  durch  ein  Urtheil  der
Schöffen  feststellen  lassen,  dass  eine  Unvollkommenheit  der  Bede,
ein  Verstoss  gegen  das  strenge  Recht,  weder  dem  Gerichte,  noch
dem  anderen  Streittheile  gegenüber  zum  Schaden  gereichen  solle  ').

obtenu  du  lieutenant  du  Seigneur  Pautorisation  de  parier  par  lui-meme  en  se  conformant
  aux  usages.  Le  lieutenant  du  Seigneur  peut  accorder  cette  permission  sous
peiue  de  LX  sous  d’amende  en  cas  d’infractiou  ou  meine  sans  stipuler  une  sotame  d’argent.
  Mais  dans  tous  les  cas  il  doit  dire:  II  me  plait  bien  que  vous  parliez  sans  vous
dcarter  des  usages  et  (!)  pourvu  que  vous  ne  disiez  rien  d’offensant  aux  echevins
ni  &  d’autres  \  Das  ist  unrichtig.  Die  Partei  bittet  nicht  um  Befreiung  vom  Vorsprecherzwang, ­
  denn  ein  solcher  existierte  nicht  (Sieh  R  o  i  s  i  n  25,  N.  11)  sondern  um  congiet
de  parier  sans  entrepresure.  Auf  den  Gegensatz,  in  dem  dieses  zum  parier  par  loy
steht,  wird  der  Ton  gelegt.  EinZugeständniss,  mit  Beachtung  aller  Förmlichkeiten
sprechen  zu  dürfen,  wie  Brun-Lavainne  diesen  Passus  fasst,  ist  ein  Unding.
Darum  braucht  die  Partei  nicht  erst  zu  bitten.  Und  wozu  dann  die  Ausnahme  des
lait  dit  bezüglich  der  Schöffen  und  anderer,  das  doch  gewiss  nicht  conforme  aux
usages  war.  Durchschlagend  ist  folgendes:  1351  wurde  in  Lille  der  alte  Eidesformalismus ­
  aufgehoben  und  bestimmt,  dass  die  Parteien  puissent  jurer  sans  aucune
entrepresure  (Roisin  35).  Hier  wird  es  durch  den  Zusammenhang  (il  ne  poet  meffaire
  amende  aucune  pour  le  dit  sairement)  und  durch  die  Ordonnanz  von  1350
(Roisin  388)  ausser  Zweifel  gesetzt,  dass  nicht  ein  Recht  mit  Beobachtung  aller
Förmlichkeiten,  sondern  ein  Recht  gefahrlos  zu  schwören  statuiert  werden  sollte.
In  ähnlicher  Weise  ist  der  Ausdruck  congiet  de  parier  sans  entrepresure  zu  fassen.
In  Fällen  wo  der  Richter  das  Recht  hatte,  von  der  Partei  einen  Eid  zu  verlangen, ­
  konnte  er  sich  nicht  etwa  blos  die  Gefahr  des  Eides,  sondern  den  Eid
selbst  abkaufen  lassen.  Wenn  die  vorgeladene  Partei  sich  zweimal  wegen  echter
Noth  hat  entschuldigen  lassen,  doit  avoir  li  prevos  de  cascune  (sonne)  III  sous  artisiens
  s’il  les  viult,  s’il  les  voet  laissier  passer  sans  serment.  Roisin  27,  N.  4.
Durch  Schöffensatzung  vom  3.  October  1351  wurde  die  Gefahr  der  Rede  in
Fällen  der  Präsentation  zum  Eide  überhaupt  aufgehoben.  Das  Fehlen  im  Worte  sollte
von  da  an  in  Lille  nicht  mehr  geahndet  werden.  Et  est  assavoir  que  se  les  parties
se  sont  pr£sent£es  h  l’entente  d’eschevins  souffisamment,  que  ens  es  paroles  dire  ne
kiet  nulle  mespresure.  (Roisin  31,  N.  4.)  Richtige  Präsentation,  von  welcher  in
den  unmittelbar  vorausgehenden  Abschnitten  (31  N.  2,  3)  die  Rede  war,  gilt  als
Voraussetzung  der  Befreiung  von  der  Gefahr  der  Rede.  Brun-Lavainne  kehrt
auch  hier  den  Gedanken  des  Rechtsbuches  vollständig  um,  wenn  er  sagt:  Il  est
assavoir  que  les  parties  sont  duement  presentees  h  Paudience  quand  les  paroles  cidessus
  ont  ete  dites  sans  alteration.
l )  Ihtabl.  11,14.  Die  Stelle  kann  wegen  der  vielfachen  Beziehungen  auf  den  Codex  Justin,
nur  mit  Vorsicht  benützt  werden.  Ich  gebe  daher  diese  Interpretation  nur  mit  Reserve.
            
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