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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Brunner

habe  man  gesehen  oder  gehört,  dass  er  gethan,  was  jener  von  ihm
bezeugt  i).  Darüber  lege  er  sein  Kampfpfand  in  die  Hände  des  Richters
und  erbiete  sich,  seine  Worte  gegen  den  Zeugen  zu  erweisen  mit  eigenem
Leib  oder  durch  einen  Andren,  und  behalte  sich  vor  einen  Vormund
im  Kampfe  und  Erholung  in  Waffen,  Wort  und  That  und  alles  das,
was  beim  Zweikampf  dazu  gehört,  um  Mannes  Leib  zu  wahren,  zu
schützen  und  zu  vertheidigen.  Nach  den  sogenannten  Anciennes  Constitutions
  du  Chatelet 3 )  soll  der  Scheltende  den  Zeugen  am  Zipfel
des  Kleides  3 )  fassen  und  sagen:  Je  lieve  cestui  come  faus  tesmoins
et  desloial.  Hieran  schliesst  sich  das  Angebot  des  Kampfes  mit
seinen  weitläufigen  Retenails.
Über  den  entscheidenden  Moment,  in  welchem  die  Zeugenschelte ­
  anzubringen  sei,  berschte  unter  den  französischen  Juristen
des  Orients  eine  tiefgehende  Meinungsverschiedenheit.  Philipp  von
Navarra 4 )  und  mit  ihm  Geoffroy  Le  Tort 5 )  verlangen,  dass  der
Scheltende  den  Zeugen  sofort  nachdem  er  niedergekniet  um  den
Schwur  zu  leisten,  an  der  rechten  Hand  fasse  und  schelte.  Würde
er  so  lange  zögern,  bis  beide  Zeugen  geschworen  haben,  dann  wäre
ihr  Zeugniss  unumstösslich  und  jener  hätte  seinen  Rechtstreit  verloren ­
 8 ).  Anders  fassen  die  beiden  Ibelin  die  Sache  auf.  Nach
ihnen  soll  die  Schelte  nicht  bei  Beginn  sondern  am  Schluss  der
Eidesleistung  eintreten.  Jacques  d’Ibelin  behandelt  die  Zeugenschelte
im  Anschluß  an  die  Schelte  des  Kampfeides  und  sagt:  se  il  ne  le
fait  tot  ensi.  .  .  il  a  sa  quarelle  perdue 7 ).  Demnach  ist  der
Schwörende  zu  schelten,  wenn  er  zu  Ende  geschworen  aber  noch
bevor  er  sich  aus  der  knieenden  Stellung  erhoben  hat.  Jean  d'Ibelin,

*)  Et  si  tost  come  li  tesmoins  sera  agenouillies  pour  jurer  et  ara  se  main  seur  les
Sains,  chil  a  qui  on  demande  le  dete  ou  ses  avocas  devera  aler  avant  et  prendre  le
tesmoing  par  la  main,  qu’il  ara  mise  seur  les  Sains,  et  lever  et  dire  qu’il  est  faua
tesmoins  et  qu’il  ne  fu  onques  veus  ne  ois  en  lieu  ne  en  estre  a  che  faire  qu’il
tesmoigne  .  .  .
2 )  Art.  58.
8 )  'Et  les  doit  tenir  par  les  paus  des  robes. 5
4 )  Ch.  10,  Beugnot  Ass.  I,  483.
*)  Ch.  23,  Beugnot  Ass.  I,  441.
6 )  et  se  celui  qui  en  viaut  Tun  lever,  seufre  taut  que  il  aient  andui  jure,  lor  garentie
sera  ferme  et  il  aura  sa  querele  perdue.  Phil,  de  Nav.  a.  a.  U.
7 )  Ch.  20,  B  e  u  g  n  o  t  Ass.  I,  460.
            
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