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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Wort  und  Form  im  altfranzösischen  Process.

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Henrici  I:  Malorum  autem  infestatiunibus  et  perjurantium  conspiratiune
  dispositum  estfrangensjurarnentumut  magis  Dei  judicium
ab  accusatis  eligatur.  Die  Gefahren  dieses  Eides  gelten  als  Bürgschaft ­
  gegen  den  Meineid,  sie  sollen  für  den  Beweispflichtigen  ein
Antrieb  sein,  lieber  ein  Gottesurtheil  als  den  Reinigungseid  zu  wählen.
•  In  der  Coutume  von  Rheims  hat  sich  das  strenge  Recht  des
Eides  bis  in  eine  Zeit  hinein  erhalten,  da  der  Process  im  übrigen
durch  fremdrechtlichen  Einfluss  bereits  völlig  umgestaltet  war 1 ).  Der
Reinigungseid  heisst  hier  escondit.  Er  ist  Eineid  oder  Eid  mit  Helfern. ­
  Der  Schwörende  (e'sco?idisseurJ  muss  die  rechte  Hand  zu  den

den  ags.  Gesetzen  bedeutet  frangere  in  Beziehung  auf  den  Eid  nicht  das  Staben,
sondern  das  Fehlschlagen  des  Eides,  Edward  I,  3;  Aethelred  I,  1,  §.  2;
Cnut  II,  22,  ein  Sprachgebrauch,  der  noch  in  die  Quellen  der  normannischen  Zeit
sich  hineinzieht  (LL.  Henr.  I.  c.  64,  §.9  und  §.3),  was  die  Interpretation  unsicher
macht.]  Das  jur.  fr.  wurde  cum  verborum  observantiis  geschworen,  es  war  immer  zugleich ­
  juramentum  observatum  (Eid  mit  vare)  und  bildet  den  Gegensatz  zu  dem  in
schlichten  Worten  geschworenen  und  ungestabten  Eid  (Eid  ohne  vare),  juramentum
planum.  Letzterer  Ausdruck  findet  sich  in  gleicher  Anwendung  in  den  Quellen  des
franz.Rechts.  Usagesd’A  njou  (Marnier)  §.77:  de  bataille  pointniase  l’autrele  Ii
nie,  fors  le  plain  seirement  ou  l’anqueste.  §.  83  1.  c.  n’i  a  point  de  desrene  que
lour  plain  sairement.  Urkunde  Ludwigs  VIII.  für  Bourges  von  1224  (Privileges  de
la  ville  de  Bourges  et  Confirm.  d’iceux):  Si  quis  de  despectu  fuerit  accusatus,  per
unum  planum  sacramentum  transeat  sine  duello.  (Vide  Du  Gange  Gl.  111,  938  b.)  Ein
Beleg  für  die  Ansicht,  dass  jene  Unterscheidung  von  jur.  fr.  und  pl.  durch  die
Normannen  nach  England  gebracht  worden.  Eigenthüinlich  ist  dem  anglonorm.
Rechte  eine  derartige  Verbindung  beider  Schwurformen,  dass  zwar  die  Parteien,
nicht  aber  die  Eideshelfer  oder  ein  Theil  derselben,  per  verba  escariata  schwören.
Weiteres  Eingehen  auf  die  vielbestrittene  Auslegung  von  LL.  Heinr.  I.  c.  64,  ist
mir  hier  nicht  gestattet.  Mit  der  Jury  hat  das  jur.  fr.  nichts  zu  thun.  Dem  Versuch ­
  es  damit  zu  verbinden,  verdanken  wir  unter  andern  die  Untersuchungen  bei
Mi  che  Isen  Genesis  der  Jury  172  ff.,  Gundermann,  Gesch.  der  Entstehung
der  Jury  62  ff.  und  Einstimmigkeit  der  Geschw.  64  ff.  Köstlin,  Wendepunkt  313  ff.
Unrichtig  scheint  es  mir  das  jur.  fractum  als  einen  Eid,  der  überboten  werden
kann,  und  das  jur.  frangens  als  einen  Uberbietungseid  zu  erklären.  Mit  derartigen ­
  Speeulationen  irrt  man  auf  dürrer  Heide.  Vergl.  noch  die  treffliche  Zusammenstellung ­
  bei  Schmid  a.a.  0.  ferner  Phillips,  Engl.  R.  G.  II,  266.
Premiere  redaction  complete  de  la  Cout.  de  Reims  mit  dem  Commentar  des  Licentiaten
  Ge'rard  de  Montfaucon,  abgedruckt  hei  V  a  r  in,  Archives  le'gislatives  de  la
ville  de  Reims  in  der  Coli,  de  docum.  inedits  1.  Theil:  Coutumes  609  ff.  (abgefasst
vor  1419,  siehe  Schaffner  R.  V.  Fr.  III.  85).  Hiezu  die  Redaction  der  Coutume
von  1481,  Art.  285  bis  1.  c.  730,  und  die  für  uns  sehr  wichtigen  Nachträge:  Variantes
a  la  Coutume  de  1481  Archives  leg.  2.  Theil:  Statuts,  1.  Band,  Seite  XII  ff.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LVII.  Bd.  III.  Hft.  47
            
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