Wort und Form im altfranzösischen Process.
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Henrici I: Malorum autem infestatiunibus et perjurantium conspiratiune
dispositum estfrangensjurarnentumut magis Dei judicium
ab accusatis eligatur. Die Gefahren dieses Eides gelten als Bürgschaft
gegen den Meineid, sie sollen für den Beweispflichtigen ein
Antrieb sein, lieber ein Gottesurtheil als den Reinigungseid zu wählen.
• In der Coutume von Rheims hat sich das strenge Recht des
Eides bis in eine Zeit hinein erhalten, da der Process im übrigen
durch fremdrechtlichen Einfluss bereits völlig umgestaltet war 1 ). Der
Reinigungseid heisst hier escondit. Er ist Eineid oder Eid mit Helfern.
Der Schwörende (e'sco?idisseurJ muss die rechte Hand zu den
den ags. Gesetzen bedeutet frangere in Beziehung auf den Eid nicht das Staben,
sondern das Fehlschlagen des Eides, Edward I, 3; Aethelred I, 1, §. 2;
Cnut II, 22, ein Sprachgebrauch, der noch in die Quellen der normannischen Zeit
sich hineinzieht (LL. Henr. I. c. 64, §.9 und §.3), was die Interpretation unsicher
macht.] Das jur. fr. wurde cum verborum observantiis geschworen, es war immer zugleich
juramentum observatum (Eid mit vare) und bildet den Gegensatz zu dem in
schlichten Worten geschworenen und ungestabten Eid (Eid ohne vare), juramentum
planum. Letzterer Ausdruck findet sich in gleicher Anwendung in den Quellen des
franz.Rechts. Usagesd’A njou (Marnier) §.77: de bataille pointniase l’autrele Ii
nie, fors le plain seirement ou l’anqueste. §. 83 1. c. n’i a point de desrene que
lour plain sairement. Urkunde Ludwigs VIII. für Bourges von 1224 (Privileges de
la ville de Bourges et Confirm. d’iceux): Si quis de despectu fuerit accusatus, per
unum planum sacramentum transeat sine duello. (Vide Du Gange Gl. 111, 938 b.) Ein
Beleg für die Ansicht, dass jene Unterscheidung von jur. fr. und pl. durch die
Normannen nach England gebracht worden. Eigenthüinlich ist dem anglonorm.
Rechte eine derartige Verbindung beider Schwurformen, dass zwar die Parteien,
nicht aber die Eideshelfer oder ein Theil derselben, per verba escariata schwören.
Weiteres Eingehen auf die vielbestrittene Auslegung von LL. Heinr. I. c. 64, ist
mir hier nicht gestattet. Mit der Jury hat das jur. fr. nichts zu thun. Dem Versuch
es damit zu verbinden, verdanken wir unter andern die Untersuchungen bei
Mi che Isen Genesis der Jury 172 ff., Gundermann, Gesch. der Entstehung
der Jury 62 ff. und Einstimmigkeit der Geschw. 64 ff. Köstlin, Wendepunkt 313 ff.
Unrichtig scheint es mir das jur. fractum als einen Eid, der überboten werden
kann, und das jur. frangens als einen Uberbietungseid zu erklären. Mit derartigen
Speeulationen irrt man auf dürrer Heide. Vergl. noch die treffliche Zusammenstellung
bei Schmid a.a. 0. ferner Phillips, Engl. R. G. II, 266.
Premiere redaction complete de la Cout. de Reims mit dem Commentar des Licentiaten
Ge'rard de Montfaucon, abgedruckt hei V a r in, Archives le'gislatives de la
ville de Reims in der Coli, de docum. inedits 1. Theil: Coutumes 609 ff. (abgefasst
vor 1419, siehe Schaffner R. V. Fr. III. 85). Hiezu die Redaction der Coutume
von 1481, Art. 285 bis 1. c. 730, und die für uns sehr wichtigen Nachträge: Variantes
a la Coutume de 1481 Archives leg. 2. Theil: Statuts, 1. Band, Seite XII ff.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LVII. Bd. III. Hft. 47