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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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ß  r  u  n  n  e  r

zweitens  auf  die  richtige  Aussprache  derselben,  und  drittens  auf  die
Haltung  und  Stellung  des  Körpers  und  insbesondere  der  Schwurhand.
Der  Wortlaut  der  Eidesformel  lässt  sich  für  die  Regel  nach  einem  allgemeinen ­
  Grundsätze  abstrahieren,  welcher  allen  Erklärungen  im
Processe  ihren  Inhalt  gibt,  die  sich  auf  eine  vorausgegangene  Processrede
  beziehen.  Solche  retrospective,  Siegel  *)  nennt  sie  bezügliche ­
  Erklärungen,  müssen  nämlich  genau  mit  der  bezogenen  übereinstimmen. ­
  Handelt  es  sich  also  um  einen  Reinigungseid,  so  muss
derselbe  den  Tenor  der  Antwort  in  sich  aufnehmen,  die  durch  ihn
bewiesen  werden  soll.  Lautete  z.  B.  die  Antwort:  Istam  lesionem
tibi  non  feci  et  iste  qui  super  hoc  festem  se  constituit  nec  vidit
nec  audivit  quod  pnrntus  sum  desresnare,  so  hätte  es  nicht  genügt,
wenn  der  Beklagte  etwa  geschworen  hätte,  dass  das  was  er  in  seiner ­
  Antwort  behauptet  habe,  wahr  sei.  Die  Eidesformel  muste  vielmehr ­
  in  folgender  Weise  gestellt  werden:  Hoc  audias  N.  quod  ego
tibi  talem  lesionem  non  feci  nec  testificntus  vidit  nec  audivit  si
me  deus  adiuvet  et  liec  sacrosancta  '-)■  Desgleichen  mussten  die
Kampfeide  d.  h.  die  Eide,  welche  dem  gerichtlichen  Zweikampf  unmittelbar ­
  vorausgingen  den  Worten  des  Kampfvertrags  entsprechend
per  verba  duelli  3 ),  de  verbis  de  quibus  duellum  vadiatum  fuerit 4 ),
verbis  in  ipsius  vudii  datione  propositis 5 )  abgeschworen  werden.
In  Bezug  auf  das  Detail  der  Eidesformalien  dürfte  ein  weitgehender ­
  Particularismus  geberscht  haben.  Nur  wenige  Coutumes  bieten ­
  uns  ein  zusammenhängendes  und  anschauliches  Bild  derselben.
Da  eine  systematische  Behandlung  entweder  diese  Anschaulichkeit
abschwächen  müsste,  oder  Gefahr  laufen  würde,  in  unbegründeter

v )  Gefahr  11.
2 )  §.  3  Somma  II,  19.
s )  §.  7,  Somma  II,  2  vergl.  mit  §.  10  1.  c.
*)  §,  12,  SommaII,  2.
*)  Glanvilla  §.  3,  XIV,  1.  Non  potest  alterutra  partium  verbis  in  ipsius  vadii  datione
propositis  aliquid  adjicere  vel  diminuere  vel  aliquatenus  a  proposito  declinare  vel
resilire  quin  pro  victo  habeatur  et  lege  victi  censeatur,  was  sieh  freilich  nicht
ausschliesslich  auf  die  Kampfeide  beziehen  muss.  §.  57  der  Compilatio  de  usibus
Andegavie  (Marnier,Usages  d’Anjou):  Se  contens  est  des  mous  de  la  bataille,  que
li  uns  die  que  eie  fut  jugee  en  une  maniere  et  Fautre  en  autre  maniere  ...  de  la
bataille  point  ni  a,  car  eie  (die  Partei,  gegen  welche  der  Record  entschieden)  chet
de  la  querele.  Vgl.  Li  Livre  des  Droiz  et  des  Comm.  §.341,  eine  Quelle,  welche
hier  wie  sonst  oft  aus  den  Usages  d’Anjou  geschöpft  hat.
            
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