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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Brunner

kann  er  denselben  wegen  Formfehlers  als  nichtig  zurück  weisen,
abatre.  Das  kann  er  unter  anderem,  wenn  der  Kläger  ihn  im  Appell
unrichtig  benannte,  wenn  er  z.  B.  Robert  statt  Wilhelm  1 ),  Raynald
stattRayner 2 )  sagte.  Das  anglo-normannische  Recht  kennt  neben  dem
rein  mündlichen  Processe  ein  Verfahren  auf  ein  Breve  hin,  welches
man  sich  bei  der  königlichen  Kanzlei  auswirkte,  um  der  Reehtswohlthat
  einer  Beweisjury  s)  theilhaftig  zu  werden.  Gleich  dem  Appell  bildete ­
  das  Breve  die  stricte  Grundlage  des  dadurch  eingeleiteten  Processes.
  Wie  jenen  ein  Irrthum  in  der  Rede,  konnte  dieses  ein
Schreibfehler  unwirksam  machen.  Nach  Bracton  kann  ein  Breve  angefochten
  werden,  propter  errorem  nominis  (z.  B.  Wilhelm  statt
Heinrich),  wegen  Irrthums  in  cognomine  (Hughbertus  Roberti  statt
Hughbertus  Walteri),  wegen  irrthümlicher  Bezeichnung  des  Heimatsortes ­
  (Wilton  statt  London),  wegen  eines  Fehlers  in  einer  Sylbe
(Henricus  de  Broeheton  statt  Henrieus  de  Bracton)  und  endlich
wegen  error  in  liiera,  wenn  z.  B.  ein  Henricus  de  Bracthon  genannt
wäre,  wo  es  Henricus  de  Bracton  heissen  sollte 4 ).  Das  Breve  war
endlich  aueh  anfechtbar,  wenn  in  demselben  das  Streitobject  unrichtig ­
  bezeichnet  wurde  4 ).
1)  Item  cadit  appellum  si  erratum  fuerit  in  nominihus  appellatorum  vel  cognominibus
  ut  si  modo  vocaverit  unum  Wilhelmum  et  postea  eundem  Robertum.
Bracton  141.  Cf.  ßlackstone  Comm.  III,  302,  Rüttimann  Engl.  Civilpr.  §.  279.
2 )  (apel  abatre)  pora  venir  en  moutz  des  cas  sicum  ...  en  nomaunt  un  noun  pur  un
autre.  Britton  I,  103  .  .  .  si  il  (le  pleyntif)  noume  en  soen  apel  Reyner  pur
Reynald.  Britton  I,  111.
8 )  Ein  solches  Breve  hatte  ein  Beweisverfahren  per  inquisitionem  zur  Folge.  Die  Einrichtung ­
  wurde  aus  der  Normandie  nach  England  übertragen.  Das  normannische
'breve  recognitionis’  hat  sein  Vorbild  und  seine  Grundlage  in  dem  Inquisitionsmandate ­
  der  karolingischen  Zeit,  dessen  Bedeutung  ich  Zeugen  und  Inquisitionsbeweis*
  113  ff.  erörtert  habe.  Dieser  Zusammenhang  rechtfertigt  es,  dass  ich
Erscheinungen  des  anglonorm.  Rechts  in  die  Untersuchung  hereinziehe.  Denn  der
Formalismus,  der  sich  in  England  an  Rechtsinstitüte  knüpft,  die  auf  Einrichtungen
des  fränkischen  Reiches  zurückzuführen  sind,  erlaubt  Rückschlüsse  auf  das  altf.  Recht.
4 )  Bracton  188 b ,  Britton  I,  317  :  Das  Breve  ist  anfechtbar  par  mesprisioun  de  nouus
nomables  en  bref,  sicum  Reynard  pur  Reyner,  Amice  pur  Avice;  pur  misprisioun
de  surnoun  et  ausi  pur  oraissioun  de  sillabes  ou  des  lettres  des  paroles  .  .  .
5 )  Britton  II,  147.  —  Unstatthaft  ist  der  Appell  wegen  T  öd  tun  g  des  ungebornen
Kindes,  car  nul  n’i  est  tenu  a  respoundre  a  apel  de  felonie,  ou  Ie  playntif  ne
set  nomer  Ie  noun  a  qi  la  felonie  avera  este  fete;  Britton  I,  114.  Zulässig  dagegen
in  solchem  Falle  die  Klage  der  Mutter  wegen  violenfia  corpori  suo  iilata.  Cf.
Britton  1.  c.  Note  s.  Flela  33,  34.
            
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