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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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B  r  u  n  n  e  r

könne  er  hinterher  nicht  mehr  zurücknehmen,  il.  .  ne  poooit  deadire
ce  quil  avoit  ja  dit,  non  obstant  qu’il  fust  eticore  en  la  place  et
qu'il  respondist  puh  la  parole  dessus  dicte,  quar  il  avoit  ja  refase
ä  respondre,  dont  il  c'est  mesfais.
IV.  Die  Gefahren  des  Rechtsganges  im  Allgemeinen
und  das  prendre  ä  point.
Das  Zusammenwirken  der  drei  erörterten  Principien,  nämlich  der
Wortinterpretation,  des  Satzes  fautes  valent  exploits  und  der
Umwandelbarkeit  des  vor  Gericht  gesprochenen  Wortes  musste  die
Parteien  in  ihrer  Bewegung  vor  Gericht  auf  das  peinlichste  einschnüren. ­
  Ein  unbedachtes  Wort  konnte  zu  Fall  bringen.  Das  geringste
Versehen  genügte  und  das  beste  Recht  musste  der  Form  zum  Opfer
gebracht  werden.  Der  Satz,  den  ein  Dichter  des  14.  Jahrhunderts
gelegentlich  seinem  Helden  in  den  Mund  legt:  Souvent  pert-en  son
plait  d  parier  nicement  *),  mag  sich  im  Rechtsleben  nur  zu  häufig
bewahrheitet  haben.  So  gut  wie  verloren  war,  wer  ohne  genaue
Kenntniss  des  Verfahrens  in  Einfalt  und  nur  mit  dem  Bewusstsein
seines  guten  Rechtes  neben  einem  geriebenen  Gegner  vor  Gericht
stand.  Man  verdrehte  ihm  das  Wort  im  Munde,  ohne  dass  er  es
merkte.  Durch  Finten  getäuscht,  ging  er  arglos  dem  Gegner  in  die
Falle  oder  er  strauchelte  aus  Zufall  über  eines  der  zahlreichen  Hindernisse, ­
  welche  der  Rechtsgang  darbot.  Es  galt  als  eine  Kunst,  ein
hon  plaideor  zu  sein.  Selbstbeherschung  und  Geistesgegenwart,  Erfahrung ­
  im  Rechtsgang  und  Übung  in  der  Rede  wurden  als  dessen
unerlässliche  Eigenschaften  betrachtet.  Zumal  aber  können  die  Quellen ­
  es  nicht  genug  betonen,  wie  es  nöthig  sei,  vor  Gericht  sich  die
volle  Ruhe,  das  kalte  Blut  zu  wahren,  Zorn  und  Aufwallung  zu  vermeiden, ­
  die  den  freien  Blick  umnebeln,  Sinn  und  Verstand  gefangen
nehmen.  Qu’il  se  garde,  räth  Jean  d'Ibelin  dem  Processredner,  de
soi  trop  corroucier  ne  airier  ne  esmoveir  en  plaideant,  que  (parce
  quej  ces  choses  font  tost  tressaillir  honte  en  desraison  et  li  tolent
senz  et  connoissance  2 ).  Und  Beaumanoir  erklärt  es  für  eine  un-*)

  Chronique  de  Bertrand  du  Guesclin  par  Cuvelier  trouvere  du  XIV.  siede,  tome
ir m %  259,  v.  20914,  in  der  Collection  de  doe.  ined.
2 )  Jean  d’Ib.  ch.  26.
            
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