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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Beiträge  zur  Geschichte  der  Perlen.

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In  dem  Sumpfe  Schin-schi,  südlich  von  dem  Berge  Tung-ting,
ist  eine  abgelegene  Höhle,  deren  Tiefe  über  hundert  Fuss  beträgt.
Wenn  man  seitwärts  fünfzig  Weglängen  wandelt,  gelangt  man  zu
dem  Drachenpalast.
Der  Fürstensohn  Khie  sagte:  Die  siebente  Tochter  des  Drachenkönigs ­
  des  östlichen  Meeres  ist  den  Perlenvorräthen  des  Drachenkönigs ­
  vorgesetzt.  Ein  kleiner  Drache  bewacht  an  tausend  Thüren
diese  Perlen.  Der  Drache  fürchtet  das  Wachs.  Er  liebt  die  schönen
Edelsteine  und  das  leere  Grün  •).  Dabei  verzehrt  er  gerne  geröstete
Schwalben.  Wenn  man  den  Verkehr  des  Vertrauens  eröffnet,  so  kann
man  kostbare  Perlen  erlangen.
Der  Kaiser  war  hierüber  sehr  erfreut.  Er  erliess  eine  höchste
Verkündung,  worin  er  sagte,  dass  derjenige,  der  zur  Gesandtschaft
verwendet  werden  könnte,  reichlich  belohnt  werden  würde.  Drei
Brüder,  unter  ihnen  Lo-tse-tschün,  entsprachen  dieser  Aufforderung.
Der  Kaiser  befahl  den  Handwerkern,  aus  schönen  Edelsteinen
von  Yü-tien,  Sehü  und  Ho-tschung  zwei  Umschläge  zu  verfertigen.
Man  hob  ihren  Glanz  durch  Asche  des  Holzes  der  Bignonia.  Man
suchte  das  „leere  Grün“  von  Siuen-tscheu,  zog  durch  Einweichen
die  reinsten  Theile  ab  und  versetzte  sie  mit  Leim  von  Seefischen.
Nachdem  man  zwei  Umschläge  gebildet,  härtete  man  sie  im  Feuer.
Man  erwärmte  sie  mit  Campher  und  setzte  dieses  auch  fort.
Der  Fürstensohn  Khie  sprach:  Man  bestreiche  mit  Wachs  den
Leib,  die  Kleider  und  die  Steine  an  dem  Gürtelgehänge  Tse-tschün’s
und  seiner  Gefährten.  —  Man  röstete  hierauf  fünfhundert  Schwalben
und  trat  in  die  tiefe  Höhle.
Als  man  zu  dem  Drachenpalaste  gelangte,  spürte  das  die  Pforte
bewachende  kleine  Krokodil  den  Geruch  des  Wachses.  Es  legte  sich
auf  den  Boden  und  hatte  nicht  den  Muth,  sich  zu  rühren.  Man  bestach
es  mit  hundert  gerösteten  Schwalben  und  hiess  es  durch  das  Dargereichte ­
  den  Verkehr  eröffnen,  indem  man  dasselbe  der  Drachentochter ­
  zum  Geschenk  machte.  Die  Drachentochter  verzehrte  es  und  hatte
grosse  Freude.  Man  reichte  ihr  ausserdem  die  Umschläge  aus  Edelsteinen ­
  und  das  „leere  Grün“.  Dabei  trug  man  ihr  den  Wunsch  des
Kaisers  vor.

1 )  Das  leere  Grün  (khung-tsinj*)  heisst  ein  Baum,  der  mit  der  Fichte  Ähnlichkeit  hat.
            
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