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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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P  f  i  /.  ni  a  i  e  r

In  den  Überlieferungen  von  charakterfesten  Frauen  (lie-niütschuen)
  heisst  es:
Der  Befehlshaber  von  Tschü-yai  starb  im  Besitze  seines  Amtes.
Seine  Gattin  und  sein  Sohn  begingen  die  Trauer  und  kehrten  in  die
Heimat  zurück.  Das  Gesetz  von  Han  lautete:  Wer  Perlen  überden
Gränzpass  schmuggelt,  wird  mit  dem  Tode  bestraft.  —  Die  Gattin
warf  die  Perlen,  welche  sie  um  die  Arme  gewunden  hatte,  weg.  Der
neun  Jahre  alte  Sohn  fand  an  ihnen  Gefallen  und  nahm  sie  zu  sich.
Er  legte  sie  in  das  Spiegelbehältniss  seiner  Mutter.  Die  Mutter  wusste
davon  nichts.
Als  sie  zu  dem  Gränzpass  kamen,  suchten  die  Angestellten  nach
Schleichwaaren  und  fanden  die  Perlen.  Sie  fragten,  wer  des  Verbrechens ­
  schuldig  sei.  Thsu,  der  Sohn  der  früheren  Gattin,  sprach:
Ich  bin  dieses  Verbrechens  schuldig.  —  Die  Stiefmutter  wandte  sich
mit  Bitten  an  die  Angestellten  und  sprach:  Es  ist  ein  Glück,  dass  ich
das  Kind  nicht  zu  beschuldigen  brauche.  Es  weiss  in  Wahrheit  nichts
davon.  Ich  bin  des  Verbrechens  schuldig.  —  Thsu  sprach  wieder:
Die  Edelfrau  dauert  mein  Zustand  als  Waise,  sie  will  mich  nur  am
Leben  erhalten.  —  Dabei  klagte  und  weinte  er.  Unter  den  Anwesenden ­
  war  Niemand,  dem  nicht  in  schmerzlicher  Erregung  die  Thränen
herabiielen.
Die  Angestellten  des  Gränzpasses  ergriffen  den  Pinsel,  konnten
aber  kein  einziges  Wort  zu  Stande  bringen.  Sie  sprachen  endlich:
Da  Mutter  und  Sohn  von  solcher  Rechtschaffenheit  sind,  sollten  wir
sie  wohl  eines  Verbrechens  beschuldigen  wollen?  Wir  bringen  es
nicht  über  uns,  die  Schrift  aufzusetzen.  Auch  wird  Einer  zu  Gunsten
des  Andern  verzichten,  wie  könnten  wir  da  wissen,  wer  im  Recht
ist?  —  Sie  warfen  die  Perlen  weg  und  schickten  Jene  fort.
In  den  Überlieferungen  der  göttlichen  Unsterblichen  heisst  es:
Die  Muhme  von  Ma  wollte  die  Mutter  Tsai-king's  und  das  Weib
von  King's  jüngerem  Bruder  besuchen.  Das  Weib  des  jüngeren  Bruders ­
  hatte  erst  vor  etwa  zehn  Tagen  geboren.  Die  Muhme  von  Ma
erblickte  sie  von  ferne  und  sprach:  Bleibe  einstweilen  stehen  und
tritt  nicht  vorwärts.  —  Sofort  begehrte  sie  eine  kleine  Menge  Reis
und  warf  diesen  auf  die  Erde.  Indess  sie  auf  den  Reis  blickte,  wie  er
auf  die  Erde  fiel,  hatte  er  sich  in  Perlen  verwandelt.  Fang-ping
sprach  lachend:  Die  Muhme  ist  von  Jahren  jung,  ich  bin  schon  alt.
            
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