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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Nachrichten  von  den  alten  Bewohnern  des  heutigen  Corea.

SOI

Getreide.  Die  herumstreifenden  Menschen  entrichten  in  drei  Jahren
einmal  Abgaben,  wobei  zehn  Menschen  in  Gemeinschaft  ein  Stück
feine  Leinwand  bringen.  Die  Strafen  und  Gesetze  sind  streng  und
Verbrecher  sind  selten.
Unter  den  Musikwerkzeugen  gibt  es  Lauten  mit  fünf  Saiten,
Cithern,  Flöten,  eine  Art  Pfeifen,  die  in  der  Quere  geblasen  werden,
und  Trommeln.  Man  bestimmt  den  Ton  durch  das  Blasen
eines  Rohres.
In  jedem  Jahresanfänge  versammelt  man  sich  zu  Spielen  an  den
Ufern  des  Flusses  Kiü.  Der  König  besteigt  eine  Sänfte,  und  die  in
Reihen  stehenden  mit  Federn  geschmückten  Menschen  sind  die  Zuschauer. ­
  Nach  Beendigung  der  Spiele  steigt  der  König  mit  den
Kleidern  in  den  Fluss  und  theilt  die  Menge  zur  Rechten  und  Linken
in  zwei  Abtheilungen.  Dieselben  besprengen  sich  gegenseitig  mit
Wasser,  bewerfen  sich  mit  Steinen  und  verfolgen  sich  gegenseitig
unter  Rufen  und  Schreien.  Nachdem  sich  dies  dreimal  wiederholt,
hört  man  auf.
Die  Bewohner  sind  von  Gemüthsart  sehr  falsch  und  hinterlistig.
Die  Ausdrucksweise  in  ihrer  Sprache  ist  niedrig  und  unrein.  Sie
machen  keinen  Unterschied  zwischen  Nahestehenden  und  Fernstehenden. ­
  Väter  und  Söhne  baden  sich  gemeinschaftlich,  sie  haben
gemeinschaftliche  innere  Häuser  und  Schlafzimmer.  Man  liebt  den
Gesang  und  den  Tanz.
Im  zehnten  Monate  des  Jahres  bringt  man  regelmässig  das
Opfer  für  den  Himmel.  Bei  öffentlichen  Zusammenkünften  bedient
man  sich  der  goldgestickten  Seidenstoffe  für  die  Kleidung  lind
schmückt  sich  mit  Gold  und  Silber.  Die  Bewohner  kauern  gern  auf
den  Boden.  Für  die  Speisen  bedient  man  sich  der  Hackbreter  und
der  Tafeln.  Das  Land  bringt  drei  Schuh  hohe  Pferde  hervor.  Man
sagt,  dass  dieselben  von  den  Pferden  abstammen,  die  Tschü-mung
geritten,  es  sind  aber  in  Wahrheit  untergeordnete  Pferde.
Es  ist  Sitte,  die  Ausschweifung  zu  schätzen,  und  man  hält  diese
nicht  für  schimpflich.  Es  gibt  viele  herumschweifende  Mädchen,  der
Mann  hat  keine  beständige  Verbindung.  In  den  Nächten  versammeln
sich  Männer  und  Weiber  schaarenweise  und  tändeln.  Es  gibt  dabei
keine  Beschränkung  durch  den  vornehmen  oder  niedrigen  Stand.
Bei  Heiraten  führt  man  sich,  wenn  Männer  und  Weiber  an
einander  Gefallen  finden,  in  dem  Hause  des  Mannes  zu  Schweinefleisch
            
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