Nachrichten von den alten Bewohnern des heutigen Corea. 481
hat im Umfange zweitausend Weglängen und ist eigentlich das Gebiet
der Stämme von Wei.
Einst hatte sich der König des zu den nördlichen Fremdländern
des Ostens gehörenden Reiches To-li auf eine Reise begeben. Seine
Dienerin war später schwanger. Der König wollte sie sofort tödten.
Die Dienerin sprach: Ich sab vordem an dem Himmel eine Luftgestalt
von der Grösse eines Huhnes. Sie stieg zu mir hernieder und
ich bin desshalb schwanger. — Der König setzte sie in ein Gefängniss
und sie gebar später einen Knaben. Der König gab Befehl, ihn in
einen Schweinstall zu legen. Die Schweine bliesen ihn mit dem
Hauche ihres Mundes an und er starb nicht. Er Hess ihn wieder in
einen Pferdestall bringen. Die Pferde thaten dessgleichen. Der König
hielt ihn für einen Gott. Er erhörte die Mutter des Knaben, er nahm
ihn zu sich und zog ihn auf. Er gab ihm den Namen Tung-ming.
Als Tung-ming erwachsen war, zeigte er Geschicklichkeit im
Pfeilschiessen. Der König hatte Scheu vor seinem kühnen Muthe und
wollte ihn tödten. Tung-ming entfloh und gelangte im Süden an den
Fluss Yen-sse. Er schlug mit seinem Bogen das Wasser, worauf die
Fische und Schildkröten an die Oberfläche des Wassers schwammen.
Tung-ming stieg auf sie und konnte auf diese Weise hinübersetzen.
Er gelangte in das Land Fu-yü, das er als König beherrschte.
Das Land ist eine Hochebene, die weit über die Gebiete der
Fremdländer hinausragt. Der Boden eignet sich zum Anbau der fünf
Getreidearten. Die Erzeugnisse sind berühmte Pferde, rothe Edelsteine,
Pelzwerk von Wiesel und Biber, Perlen von der Grösse der
sauren Datteln. Man baut Stadtmauern aus einer Anzahl zusammengebundener
Bäume. Es gibt Paläste, Häuser, Scheunen, Rüstkammern,
Ställe und Gefängnisse.
Die Bewohner sind im Ganzen sehr muthig und stark, dabei gewissenhaft
und ernst. Sie verüben keine Räubereien. Ihre Waffen sind
Bogen und Lanzen. Sie benennen ihre Obrigkeiten nach den sechs
Arten der Hausthiere. So gibt es Pferde-Hinzugegebene (ma-kia),
Rinder-Hinzugegebene (nieu-kia), Hunde-Hinzugegebene (keu-lda).
Die Städte und Niederlassungen hängen blos von den „Hinzugegebenen“
ab, die ihnen vorgesetzt sind.
In dem Schaltmonate opfert man dem Himmel. Man hält um
diese Zeit eine grosse Versammlung, wobei durch mehrere Tage
ohne Unterbrechung gegessen und getrunken, gesungen und getanzt
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