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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinrich  II.  mit  Herzog  Bolesfaw  I.  von  Polen.  431

der  bischöfliche  Sitz  von  Zeiz  übertragen  wurde,  befinden  sich  eilf
Statuen,  welche,  da  jede  durch  ihr  Piedestal  mit  dem  Pfeiler,  an  dem
sie  ruht,  verwachsen  ist,  so  alt  als  der  Chor  selbst  sind,  d.  h.  aus
dem  13.Jahrhundert  stammen.  In  einem  Hirtenbriefe  aus  dem  J.  1249
zählt  Bischof  Dietrich,  der  Erbauer  des  Chors,  die  Gründer  der
Naumburger  Kirche  auf:  Markgraf  Hermann,  Markgräfin  Regelinde,
Markgraf  Ekhard,  Markgräfin  Uta  und  sieben  andere,  deren  Zahl
somit  jenen  eilf  Statuen  entspricht.  Es  sind  sieben  männliche  und
vier  weibliche  Figuren,  meist  einzeln,  nur  zwei  gepaart.  An  fünf  von
den  männlichen  Standbildern  ist  der  Name  auf  den  Rändern  ihrer
Schilde  eingegraben.  Die  dritte  Statue  hat  die  Aufschrift:  „Ekhartus
marchio“  und  eine  weibliche  Statue  ist  sein  Weib  Uta.  Die  fünfte
hat  die  Aufschrift:  „Timo  de  Kistericz“,  die  sechste  „Wilhelmus
comes“,  die  siebente  „Sizzo  comes“,  wie  sie  in  dem  Briefe  jenes
Bischofs  aufgezählt  sind.  Also  wird  die  erste  Statue  das  Bildniss  des
Markgrafen  Hermann,  des  älteren  Bruders  Ekhart’s,  und  die  zweite,
ein  Weib,  jenes  Regelinden’s,  höchst  wahrscheinlich  das  seiner
Gemalin,  der  Tochter  Bolestaw’s  sein.  Es  ist  eine  schöne  Gestalt  in
langfaltigem  Mantel;  sie  hält  denselben  und  ein  geöffnetes  Buch  in
der  rechten  und  blättert  in  diesem  mit  der  linken.  Ein  Schleier
bedeckt  die  Haube.  Um  den  Hals  hat  sie  ein  dreiecktes  Kleinod,
dessen  Mitte  ein  Kreis  von  Perlen  ausfüllt f ).  Der  Name  Reginlinde
für  Hermann's  Gemalin  soll  sich  auch  aus  dem  Naumburger  Nekrolog
ergeben  =).
So  wie  an  die  Merseburger  Tage  des  Jahres  1002  sich,  wenn
auch  vielleicht  nur  äusserlich,  die  Vermählung  von  Bolestaw’s
Tochter  mit  Herimann  anschliesst,  so  fällt  in  die  Zeit  der  zweiten
Merseburger  Vereinbarung  (1013)  die  Vermälung  der  später  so  bekannt ­
  gewordenen  Tochter  des  Pfalzgrafen  Ezzo,  Richeza’s,  mit  dem
jugendlich-kräftigen  Sohne  Bolestaw's,  Miseco.  Wir  sind  nunmehr
darüber  näher  unterrichtet,  durch  die  vor  einigen  Jahren  in  ihrer  ursprünglichen ­
  und  vollständigen  Gestalt  bekannt  gewordene  Grün-*)

  Abbildung  b.  Przezdziecki  a.  a.  0.,  dem  ich,  da  mir  das  Werk  von  C.  P.  Lepsius,
über  das  Alter  und  die  Stifter  des  Domes  zu  Naumburg  und  deren  Statuen  im  westlichen ­
  Chore,  Naumburg  1822,  nicht  zur  Hand  war,  gefolgt  bin.  Nur  auf  eine  Möglichkeit ­
  ist  von  Przezdziecki  nicht  geachtet  worden;  Regelinde  könnte  auch  eine
andere  Gemahlin  Hermann's  sein.
2 )  S.  Schöttgen  und  Kreysig,  Diplomataria  II,  161.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LVII.  Bd.  II.  Hft.

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