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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Zeissberg

Gemalinnen  Bolestaw’s.  Die  erste  war  des  Markgrafen  Rigdag  Tochter,
die  er  danach  wieder  entliess;  darauf  nahm  er  aus  Ungarn  ein  Weih,
dessen  Namen  Thietmar  nicht  überliefert  und  das  ihm  den  Besprim
gebar.  Nachdem  er  auch  diese  verstossen,  wurde  Emniidis,  die  Tochter
des  „ehrwürdigen“  Herrn  Dobremir  seine  Gemalin.  Diese,  offenbar  die
geliebteste  von  Bolestaw’s  Frauen  und  unzweifelhaft  jene,  welche  in
polnischen  Quellen,  wenn  sie  nur  einfach  von  Boleslaw’s  Gattin  sprechen ­
  gemeint  ist,  gebar  zwei  Söhne,  Miseco  und  einen  anderen,  über
dessen  Namen  die  Meinungen  getheilt  sind,  und  dreiTöchter,  von  denen
die  eine  Abtissin  wurde,  die  zweite  den  Grafen  Herimann  heirathete,
die  dritte  den  Sohn  des  Königs  Wladimir.  Von  Oda  endlich,  welche
Bolestaw  am  Abende  seines  Lebens  heirathete,  war  oben  bereits  die
Rede.  Bei  anderer  Gelegenheit  <)  habe  ich  darzulegen  gesucht,  dass
Bolestaw  sein  erstes  Weib  983  oder  etwas  später,  die  Ungerin  zwischen ­
  986—8,  Emnilden  aber  spätestens  989  geehelicht  habe.
Zu  jener  Tochter  Emnilden's,  die  den  Grafen  Herimann  geheirathet,
  leitet  noch  eine  andere  Spur  a).  Herimann  ist  der  oben  so  oft
erwähnte  Neffe  jenes  Guncelin,  der  bei  Thietmar  „Bruder“  Boleslaw’s
heisst,  und  Boslestaw  heirathete  später  selbst  die  Schwester  seines
Schwiegersohnes.  Die  Verlobung  von  Bolestaw’s  Tochter  mit  Herimann ­
  muss  nach  den  Merseburger  Tagen  aber  bereits  vor  der  Mitte  des
J.  1003  erfolgt  sein,  da  Bolestaw  auf  einem  in  dem  erwähnten  Jahre
unternommenen  Streifzuge  die  Bewohner  von  Strela  „da  der  Ort  die
Mitgift  seiner  Tochter“  war,  zu  beruhigen  sucht  s),  während  er  den
Ort  ein  Jahr  zuvor,  als  er  Merseburg  erzürnt  verliess,  in  Brand
gesteckt  hatte 4 ).  Bolestaw’s  Tochter  muss  damals  in  einem  noch
sehr  zarten  Alter  gestanden  haben.
Vielleicht  ist  uns  selbst  noch  der  Name  derselben  erhalten.  Im
Chor  des  Domes  zu  Naumburg,  wohin  auf  Veranlassung  ihres  Gemals

*)  „Über  die  Zusammenkunft  Kaiser  Otto’s  III.  mit  H.  Bo).  I.  von  Polen  zu  Gnesen“,
Zeitschrift  f.  d.  österr.  Gymnas,  1867,  V.  Hft.,  S.  343.
2 )  Vgl.  für  das  folgende  Gf.  Przezdziecki’s  Abhandlung:  „0  Bolesfawa  Chrobrego
corce,  margrabinie  Misnii  w  Naumburgu  i  synowej  krolowej  Ryxie  w  Kolonii“
in  dessen  „Slady  Boleslawow  Polskich  po  obcyeh  krajach“  Warszawa  1833.
3 )  Thietmar  1.  3,  c.  22.
4 )  Thietmar  1.  5,  c.  10.  Die  Zeitbestimmung  dieser  Vermählung  heben  Wawrowski  I.  c.
p.  31  adn.  3  und  Hirsch  I,  234  A.  6  richtig  hervor.
            
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