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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinrich  II.  mit  Herzog  Bolesfaw  I.  von  Polen  .

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zuerst  Erzbischof  Gero  vernehmen:  Da  die  passende  Zeit  daz  u
gewesen  wäre  und  es  in  einer  für  Euch  ehrenvollen  Form  hätte
geschehen  können,  habt  ihr  meinen  Rath  nicht  befolgt.  Jetzt  ist
Euch  Boleslaw’s  Gernüth  wegen  der  langen  Festhaltung  und  Haft
seines  Sohnes  entfremdet  und  ich  möchte  fürchten,  dass  Ihr,  wenn
Ihr  ihn  ohne  Geiseln  oder  andere  Sicherstellung  entlasst,  in  Zukunft
treue  Ergebenheit  an  beiden  missen  werdet.  Dieser  Rede  stimmte
die  grössere  Mehrheit  der  Anwesenden  hei;  der  Theil  aber,  der
bestochen  war  !),  äusserte  wiederholt,  dass  man  dies  nun  nicht  mehr
mit  Ehren  thun  könne.  Das  Geld  siegte  über  die  Raison  und  um  sich
damit  bei  Boleslaw  noch  beliebter  zu  machen,  nahmen  jene  bestochenen ­
  Fürsten  auf  ihr  Wort  und  unter  Einsetzung  aller  ihrer
Besitzungen  Miseco  vom  Kaiserin  Empfang,  brachten  ihn  Boleslaw
zurück,  und  indem  sie  ihn  und  seinen  Sohn  daran  mahnten,  Christi
und  ihres  Eides  eingedenk  dem  Kaiser  fürder  kein  Ungemach  zuzufügen ­
  und  ihre  Freunde  nicht  hintergangen  werden  zu  lassen,
nahmen  sie  das  versprochene  Geld  in  Empfang  3 ).  Auf  die  gleisnerische ­
  Ermahnung  erfolgte  von  jenen  (B.  u.  M.)  sofort,  in  schmeichelndem ­
  Flötentone  die  Erwiderung,  der  sodann  die  Thaten  gar
nicht  entsprachen.  Denn,  obwohl  sie  eigentlich  wenig  oder  gar  keine
Verlässlichkeit  besitzen,  rechnen  sie  doch  uns  das  zur  Schuld  an,
dass  er,  der  doch  zu  dessen  Vasallen  zählte,  vom  Kaiser  und  von  uns
so  spät  entlassen  wurde.  Das  blieb  ihnen  fortan  in  der  Seele  haften

*)  „nach  Thietmar’s  Meinung“  setzt  W.  Giesebrecht,  G.  d.  d.  Ks.  Zt.  II,  115  (1)  restringirend
  hinzu.
2 )  Schon  Röpell  nennt  „den  Gang  der  Ereignisse  von  jenem  Hoftage  zu  Merseburg
bis  zum  Ausbruche  des  Krieges  dunkel“.  Ich  sehe  mich  genöthigt,  meine  vorhergehende ­
  und  nächstfolgende  Darstellung  näher  zu  begründen,  da  sie  von  der  gewöhnlichen ­
  sehr  abweicht,  auch  von  der  ebenfalls  neuen  Cohn’s  (in  Kais.  H.  II.),
der  übrigens  eine  Rechtfertigung  seiner  Darstellung  der  deutsch-polnischen  Verwickelung ­
  1014—1015  in  den  „Forschungen  zur  dtsch.  Gesch.“  7.  Bd.  S.  413  ff.
brachte  (vgl.  Göttingische  gelehrte  Anzeigen  1867  nr.  15).  Der  Unterschied  besteht ­
  hauptsächlich  darin,  dass  ich  die  Freilassung  Miseco’s  noch  in  das  J.  1014
setze,  die  anderen  Darstellungen  dagegen  entweder  ganz  zeitlos  sind  und  so  die
Schwierigkeiten  mehr  verdecken  als  heben  ,  oder  wie  das  N.  Laus.  Mag.  XXX,
39  und  Cohn  a.  a.  O.  um  Ostern  1015  erfolgen  lassen.  Von  den  Quellen  ist  Thietmar’s
Erzählung  ohne  klare  Zeitangabe,  die  ann.  Quedlinb.  haben  die  Notiz  zum  J.  1014.
Nun  meine  ich,  dass  man  Thietmar’s  Bericht  wird  in  Bezug  auf  die  Zeit  mit  jenem
der  Quedlinb.  ann.  in  Übereinstimmung  zu  bringen  suchen  müssen,  so  lange  kein
triftiger  Grund  obwaltet,  an  der  Glaubwürdigkeit  der  Quedlinburger  Annalen  zu
            
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