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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Z  e  i  s  s  b  c  r  g

mild  behandelte,  dass  er  später  bei  Heinrich  sogar  in  den  ungegründeten
  Verdacht  kam,  Bolestaw  über  Gebühr  befreundet  zu  sein.
Als  Boleslaw  von  der  Auslieferung  seiner  Sohnes  an  den  Kaiser,
die  unter  besagten  Umständen  einer  Lebensrettung  >)  gleichkam,
erfuhr,  war  er  hocherfreut  und  liess  sofort  durch  Boten  dem  Kaiser
seinen  geziemenden  Dank  vermelden,  bat  ihn  aber  zugleich,  ihm
seinen  Sohn,  sich  zur  Ehre,  seinen  Feinden  zum  Argerniss,  zurückzuschicken; ­
  er  möge  alsdann  für  die  Zukunft  von  seiner  und  seines
Sohnes  Dankbarkeit  überzeugt  sein  a ).  Auch  angesehene  Personen
in  der  Umgebung  des  Kaisers,  vor  allen  Gero,  der  Erzbischof  von
Magdeburg,  ein  Mann,  der,  wie  wir  noch  sehen  werden,  überhaupt
der  Versöhnlichkeit  gegen  Boleslaw  stets  das  Wort  sprach,  riethen,
Miseco  freizugeben 3 ).  Allein  Heinrich  verweigerte  dies.  Er  liess  dem
Vater  vielmehr  die  Antwort  zukommen,  was  er  verlange,  könne
im  Augenblicke  nicht  geschehen,  sondern  wenn  er  nach  Merseburg
kommen  werde,  werde  er  seinem  Wunsche  nach  Anhörung  des  Rathes
seiner  Fürsten  entsprechen.  Als  Boleslaw  dies  vernahm,  zeigte'erVerdruss
  darüber,  und  „sann“,  wie  Thietmar  bemerkt,  „unaufhörlich  im
Stillen  und  durch  häufige  Botschaften»)  darauf,  wie  er  seines  Sohnes
habhaft  werden  könne.“  Da  die  Annalen  von  Quedlinburg  Miseco’s  Freilassung ­
  noch  in  das  Jahr  1014  setzen  5 ),  woran  zu  zweifeln  kein  triftiger ­
  Grund  vorliegt,  und  da  nach  den  Urkunden 6 )  Heinrich  II.  bereits ­
  am  1.  November  1014  wieder  zu  Merseburg  erscheint,  so  muss
folgende  Scene  bei  Thietmar  7 ),  der  in  der  zeitlichen  Anordnung  der
Ereignisse  hier  wieder  einmal  ganz  verworren  ist,  noch  in  den
Spätherbst  1014  gesetzt  werden.  „Als  der  Kaiser“,  sagt  Thietmar,
„an  den  festgesetzten  Ort  (Merseburg)  kam,  befragte  er  alle  Fürsten,
was  er  in  der  Sache  Miseco’s  thun  solle.  Von  den  Fürsten  liess  sich

Desshalb  nennt  sie  Thietmar  eine  „ereptio“.
2 )  Thietmar  1.  VII,  c.  7.
8)  Thietmar  1.  VII,  c.  8.
4 )  Vgl.  Cohn,  a.  a.  0.  420,  Anm.  1.
5 )  „Imperator  quorundam  preeibus  persuasus  Bolizlavoni  remisit  filium  suum  incolumem.“

6)  B.  1129.  =  Stumpf  1636.
7 )  L.  VI,  c.  8,  während  Cohn,  über  den  Ursprung  des  Polenkrieges  von  1013,  Beitrag
zur  Kritik  Thietmar’s  v.  Merseburg  (Forsch,  z.  d.  G.  7,  413  fF.)  ,  die  Auslieferung
M’s.  erst  zu  Ostern  1013  erfolgt  wissen  will.

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