Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinrich  II.  mit  Herzog  Bolesfaw  I.  von  Polen.!  393

ihm  heimlich  von  Heinrich  bereiteten  Nachstellungen,  den  dem  Apostelfürsten ­
  versprochenen  Zins  nicht  entrichten  könne.  „Jetzt  aber“,
fährt  Thietmar  fort,  „sandte  er  Kundschafter  ah,  welche  insgeheim
erforschen  sollten,  wie  die  Sache  des  Königs  in  Italien  stehe,  und
bemühte  sich  zugleich,  wen  er  nur  konnte,  dem  Könige  abwendig
zu  machen 1 ).  Das  war  seine  Gottesfurcht  und  dazu  suchte  er  die
Vermittelung  frommer  Männer,  so  leuchtete  des  erlauchten2)  Ritters
feste  Treue  und  so  kümmerte  er  sich  um  schreckliche  Eidschwüre!
Höre,  lieber  Leser,  was  er  bei  so  vielen  Schandtthaten  tliut.  Wenn
er  entweder  selbst  merkt,  dass  er  schon  viel  gesündigt  oder  durch
irgend  einen  wohlmeinenden  Tadel  dessen  inne  wird,  so  lässt  er  die
Kanonen  vor  sich  bringen  und  nachsuchen,  wie  dies  oder  jenes  Vergehen ­
  wieder  gut  gemacht  werden  solle  s)  und  bemüht  sich  alsbald
nach  dem  Wortlaute  dieser  Schriften  die  begangenen  Vergehen  zu
küssen.  Grösser  aber  ist  bei  ihm  die  Gewohnheit,  immer  wieder
zu  seiner  Seele  Nachtheil  zu  sündigen,  als  in  heilsamer  Busse  zu
verharren.  “
Auch  diesmal  gedachte  Boleslaw  sich  Heinrich’s  Zug  nach
Italien,  wo  derselbe  zu  Rom  am  14.  Februar  1014  die  Kaiserkrone
empfing,  zu  nutze  zu  machen.  Nach  Italien  hatte  er,  wie  eben  bemerkt ­
  worden,  seine  Späher  entsendet,  mit  vielen  der  sächsischen
Fürsten  war  er  verwandt,  mit  anderen  stand  er  in  geheimer  Verbindung. ­
  Zugleich  trachtete  er,  den  neuen  Herzog  von  Böhmen  von  dem
Kaiser  abzuziehen,  freilich  nur  zu  dem  Behufe,  um  Böhmen  von
neuem  an  sich  zu  bringen.  Doch  ist  auch  diesmal  der  fein  angelegte

*)  Wer  die  Personen  waren,  mit  denen  sich  Boleslaw  in  Italien  in  Verbindung-  setzte,
erfahren  wir  aus  Thietmar  nicht.  Wichtig-  wäre,  die  Wurzel  einer  Nachricht  zu
fassen,  welche  Gfrörer  Gregor  VII.,  6.  ßd.,  S.  149  bringt.  Er  citirt  dort  folgend«  8
Werk:  „Terraneo,  Ja  principessa  Adelaide,  Torino  17S9.  4  II,  6  lf.,  20  lf.,  73  IT.,
und  daraus  S.  21  IT.  eine  alten  savoischen  Chroniken  entnommene  Nachricht:
„König  Ardvin  hatte  mehrere  mächtige  Verbündete,  und  zwar  in  Italien  den  Markgrafen ­
  Manfred  von  Turin,  jenseits  der  Alpen  die  Könige  von  Böhmen  und  Polen.
Aber  als  gefährlichster  Feind  stand  ihm  Markgraf  ßerold  von  Sachsen  entgegen,
Feldhauptmann  des  Burgunders  Rudolf  und  Graf  in  St.  Jean  de  Maurienne.
2 )  „ita  cluebat  militis  incliti  (Irma  fides.“
3 )  Diese  Stelle  Thietmar’s  findet  eine  glänze n ^e  Bestätigung  durch  Cosmas,  der  von
Miseco,  wie  er  irrthiimlich  stets  Boleslaw  nennt,  lib.  2,  sub.  a.  1039  erzählt:  „quos
electi  duodecim  presbyteri,  vix  sustentantes  pondus  auri  crucifixi,  secuntur—  nain
dux  Mesco  ter  semetipsum  hoc  apponderat  auro u .
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.