Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

392

Zeissberg

YIII.
Oer  Merseburger  Friede  batte  keinen  langen  Bestand:
Es  war  ein  schlimmes  Zeichen,  dass,  als  Heinrich  II.  nun  seinen
Römerzug  antrat,  Boleslaw  ihn  ohne  die  zugesagte  Unterstützung
liess.  Aber  Boleslaw  beschränkte  sich  nicht  auf  diese  verneinende
Haltung.
Entweder  er  oder  bereits  sein  Vater  hatte  sich  zu  einem  Zinse  <)
an  den  Stuhl  Petri  verpflichtet,  etwa  so  wie  dieselbe  Verpflichtung
von  den  Angelsachsen  zur  Zeit  der  Einführung  des  Christenthums
übernommen  worden  war,  und  wohl  auch  zunächst  zu  demselben
Zwecke,  um  davon  ein  Hospiz  für  ihre  Landsleute  in  Rom  zu  errichten ­
  und  zu  erhalten.  Schon  früher  hatte  sich  Boleslaw  hei  dem
Pabste  durch  einen  Briefboten  beklagen  lassen,  dass  er,  wegen  der

i )  Wir  haben  leider  keine  zeitgenössische  Nachricht  über  die  Zeit  der  Einführung
dieses  Zinses  in  Polen;  wohl  aber  sind  die  untrüglichsten  Zeugnisse  dafür  vorhanden, ­
  dass  dieser  Zins  schon  in  Bolesfaw’s  Tagen  bestand.  Ausser  der  vorliegenden
Stelle  Thietmar’s  (I.  6  c.  56)  nämlich  gibt  es  noch  eine  Stelle  in  Brun’s  Briefe  an
König  Heinrich  II.,  aus  dem  J.  1008  (Röpell  I,  128,  Anm.  45,  noch  nicht  bekannt)  :
„Quid  tum?  Sanctus  Petrus,  cuius  tributarium  se  asserit  et  sanctus  martyr  Adalbertus
  nonne  protexerunt?“  (nämlich  den  B.).  In  Boleslaw’s  Grabschrift  in  Bielowski,
  Mon.  Polon.  I,  320  heisst  es:
„Fonte  sacro  lotus,  servus  domini  puta  totus,
Praecidens  comam  septennii  tempore,  Romam.“
womit  Bielowski  mit  Recht  I.c.  pg.  321  die  Stelle  des  Anastasius  bibliothecarius  über
Boris,  den  Fürsten  der  Bulgaren,  zusammenstellt:  „In  tantum  autem  pietas  crevit
principis  et  abundabat  circa  beatum  Petrum  venerationis  affectus,  ut  quadam  die
manu  propria  capillos  suos  apprehenderet  et  contemplantibus  cunctis  se  Romanis
missis  tradiderit,  dicens:  Oinnes  primates  et  cuncti  populi  Bulgarorum  terrae  cognoscant
  ab  liodierna  die  me  servum  fore  post  deum  beati  Petri  eius  vicarii“.  —
Diese  Stellen  widerlegen  jene,  wonach  der  Peterspfennig  erst  unter  Kasimir  dem
Widerhersteller  in  Polen  eingefühlt  worden  sein  sollte  und  die  uns  hier  weiterhin
n  icht  berühren.  Die  römische  Kirche  hatte  späterhin  die  Überzeugung,  dass  diese
Steuer  zugleich  mit  d.em  Christenthum  angenommen  worden  sei.  Vgl.  meine  Abh.
in  der  Ztschrft.  für  öst.  Gymn.1867,  S.  340,  Anm.  Jener  Brief,  dessen  Thietmar  gedenkt, ­
  kann  übrigens  ganz  wohl  mit  der  von  Romuald’s  Biographen  erwähnten
Sendung  Zusammenhängen  oder  wenigstens  auf  dieselbe  als  hintertrieben  hinweisen.
  Heinrich  mag  erst,  als  er  nach  Italien  kam,  den  wahren  Verhalt  vernommen
haben.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.