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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Z  e  i  s  s  !)  e  r  g

Die  Königin  wurde  zu  Merseburg  durch  Eilboten  von  diesem
neuen  Unfall  in  Kenntniss  gesetzt.  Auch  der  Bischof  Thietmar  von
Merseburg  eilte  von  Magdeburg,  wo  er  sich  gerade  befand,  zur  Königin, ­
  die  den  sächsischen  Fürsten  den  Auftrag  ertheilte,  sich  an  der
Mulde  zu  lagern  und  bis  auf  die  Ankunft  des  Königs  alles  in  Bereitschaft ­
  zu  setzen.  Bald  darnach  traf  der  König  aus  dem  Westen  in
Sachsen  ein.  Seine  erste  Sorge  war  natürlich  die  Wiederbesetzung
des  erzbischöflichen  Stuhles  in  Magdeburg.  Er  ersah  für  diese  Stelle
seinen  Capellan  Gero  und  setzte,  trotz  einer  schon  erfolgten  Vorwahl,
seinen  Willen  auch  durch.  Am  22.  September  d.  i.  am  Feste  der
thebaischen  Legion  kam  Heinrich  nach  Magdeburg  und  in  seiner
Gegenwart  wurde  an  demselben  Tage  Gero  gewählt,  inthronisirt
und  gesalbt.  Beich  beschenkt  von  dem  neuen  Erzbischöfe  verliessen
hierauf  Heinrich  und  sein  Gefolge  Magdeburg  und  eilten  nach  Merseburg, ­
  wo  dieselben,  wie  Thietmar  bemerkt,  eine  Weile  blieben  und
mit  den  Vornehmsten  des  Reiches  die  Regierungsangelegenheiten
erwogen.  Nun  konnte  freilich  für  den  Augenblick  nicht  daran  gedacht
werden,  an  Bolestaw  von  Polen  sich  zu  rächen;  vorerst  musste  sich
Heinrich  vielmehr  neuerdings  seiner  bisherigen  aber  nun  schwankend ­
  gewordenen  Verbündeten,  der  Böhmen  und  der  Liutizen  zu
versichern  trachten.  Jenes  erreichte  er  dadurch,  dass  er  Jaromir
aufgab  und  so  wie  ehemals,  da  Wlodowej  den  Herzogsstuhl  einnahm,
es  sich  genügen  liess,  dass  der  neue  Herzog  Udalrich  seine  Verpflichtungen ­
  gegen  das  Reich  einhielt.  Darum  fand  auch  Jaromir  der
Böhmenherzog,  als  er  vor  dem  Könige  mit  der  Bitte  um  Widereinsetzung ­
  in  sein  Reich  erschien,  kein  Gehör  und  wurde  vielmehr
zur  Verbannung  verurtheilt  und  zur  Haft  dem  Bischöfe  Ethelbold
von  Utrecht  *),  Ansfried’s  Nachfolger,  anvertraut.  Als  Vorwand  hiezu
hob  man  hervor,  Jaromir  habe  als  Herzog  viele  Baiern  2 ),  die  ohne
des  Königs  und  seine  Bewilligung  und  mit  vielen  Geschenken  zu
Bolestaw  gereist  waren,  hinrichten,  die  ihm  anvertrauten  hinmorden
lassen.  Thietmar  hebt  nachdrücklich  hervor,  nicht  etwa  einen  Akt
der  Untreue  gegen  den  König  habe  sich  Jaromir  zu  Schulden  kommen

O  „einer  Stadt,  die  auch  sonst  als  fürstliches  Gefängniss  gedient  hat“.  Büdinger
Österr.  Gesch.  I.  S.339  ;  vgl.  meine  Abhandlung:  „Miseco“  S.  66.  Umgekehrt  verbannte ­
  man  auch  Personen  aus  jenen  westlichen  Gegenden  nach  Böhmen.  Thietm.
1.  7,  c.  32.
2 )  „noch  dazu  seine  (Heinrich’s)  besonderen  Stammgenossen.“  Hirsch  II,  326.
            
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