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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinrich  II.  mit  Herzog  BoIesJaw  I.  v.  Polen.

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Auch  der  Umstand,  dass  Waltherd  Geschenke  von  Bolestaw
angenommen,  mag  ihm  von  Heinrich  verdacht  worden  sein.  Man  wird
kaum  fehl  gehen,  wenn  man  vermuthet,  dass  Waltherd  ein  Gesinnungsgenosse ­
  Brun’s  von  Querflirt  war  und  eben  hiedurch  in  eine
bedenkliche  Stellung  zu  dem  Reichsoberhaupte  Heinrich  II.  gerieth  <).
Auch  diesmal  benützte  der  überschlaue  und  wachsame  Polenherzog
  den  für  die  sächsischen  Fürsten  so  ungünstigen  Zeitpunkt  zu
einem  Anschläge,  und  zwar  auf  die  jüngst  erst  befestigte  BurgLibusua.
Der  Augenblick  war,  abgesehen  von  Waltherd's  Tode,  auch  sonst
gut  gewählt.  Die  Burg  enthielt  nur  tausend  Mann  Besatzung,  da  doch
die  weitläufigen  Mauern  mindestens  die  dreifache  Zahl  erheischten.
An  eine  Verstärkung  derselben  oder  an  Entsatz  war  nicht  zu  denken,
da  die  Elbe,  durch  Regengüsse  angeschwollen,  ihre  Ufer  verliess  und
weithin  das  Land  überschwemmte 2 ).  Dazu  kam,  dass  die  Besatzung
ein  Mann  befehligte,  von  dem  man  sich  erzählte,  dass  er  noch  jede
von  ihm  befehligte  Stadt  nicht  aus  Feigheit,  sondern  aus  Missgeschick
verloren  habe.  Kein  Wunder,  wenn  die  Besatzung  gleich  anfangs
nicht  besonders  siegesmuthig  war.  Als  daher  Bolestaw  am  20.  Aug. s )
die  Burg  angriff,  fand  er  nur  geringen  Widerstand.  Noch  heim
Frühmale  sitzend,  hatte  Bolestaw  die  Freude  seine  Mannen  als  Sieger
in  die  Stadt  eindringen  zu  sehen.  Man  hatte  das  Thor  der  Burg
erbrochen,  und  nach  heissem  Blutbade*),  in  welchem  auch  von  Bolestaw's
  Leuten  nicht  weniger  als  S00  Mann  blieben  und  Seih,  der  Befehlshaber ­
  der  Burg,  den  das  Unglück  also  auch  an  diesem  Tage  verfolgte, ­
  verwundet  wurde,  behauptet.  Die  Gefangenen,  darunter  auch
zwei  edle  Männer  Guneelin  und  Wiso,  brachte  man  vor  den  stolzen
Sieger,  der  befahl,  sie  in  die  Knechtschaft  abzuführen.  Zuletzt  tlieilten
  sich  die  Sieger  in  die  Beute,  zündeten  die  Burg  an  und  kehrten
mit  Bolestaw  fröhlich  wieder  heim.

*)  Dies  lässt  sich  sagen  ohne  dass  man  alle  die  von  Hirsch,  Jb.  II,  333Ä.  1.  hinreichend
wiederlegten  Hypothesen  Gfrörer’s,  Kirchengesch.  4,  75  zu  theilen  gezwungen  ist.
2 )  Nach  ann.  Quedl.  ad  a.  1012  trat  die  Überschwemmung  am  10.  Aug.  ein  und
währte  2  Tage;  auch  Donau  und  Rhein  traten  nach  Thietmar  in  diesem  Jahre  über.
3 )  Thietmar  1.  6,  c.  45  und  Necrolog.  Merseburg.  Ausgabe  von  Dümmler,  S.  17  zum
20.  Aug.:  „In  Liubuzauua  multi  peremti  sunt“.
Auf  welches  auch  ann.  Quedl.  ad  a.  1012:  „utrinque  magna  strage  peracta“  hinweisen.

Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LVII.  Bd.  II.  Hft.

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