Die Kriege K. Heinrich II. mit Herzog BoIesJaw I. v. Polen.
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Auch der Umstand, dass Waltherd Geschenke von Bolestaw
angenommen, mag ihm von Heinrich verdacht worden sein. Man wird
kaum fehl gehen, wenn man vermuthet, dass Waltherd ein Gesinnungsgenosse
Brun’s von Querflirt war und eben hiedurch in eine
bedenkliche Stellung zu dem Reichsoberhaupte Heinrich II. gerieth <).
Auch diesmal benützte der überschlaue und wachsame Polenherzog
den für die sächsischen Fürsten so ungünstigen Zeitpunkt zu
einem Anschläge, und zwar auf die jüngst erst befestigte BurgLibusua.
Der Augenblick war, abgesehen von Waltherd's Tode, auch sonst
gut gewählt. Die Burg enthielt nur tausend Mann Besatzung, da doch
die weitläufigen Mauern mindestens die dreifache Zahl erheischten.
An eine Verstärkung derselben oder an Entsatz war nicht zu denken,
da die Elbe, durch Regengüsse angeschwollen, ihre Ufer verliess und
weithin das Land überschwemmte 2 ). Dazu kam, dass die Besatzung
ein Mann befehligte, von dem man sich erzählte, dass er noch jede
von ihm befehligte Stadt nicht aus Feigheit, sondern aus Missgeschick
verloren habe. Kein Wunder, wenn die Besatzung gleich anfangs
nicht besonders siegesmuthig war. Als daher Bolestaw am 20. Aug. s )
die Burg angriff, fand er nur geringen Widerstand. Noch heim
Frühmale sitzend, hatte Bolestaw die Freude seine Mannen als Sieger
in die Stadt eindringen zu sehen. Man hatte das Thor der Burg
erbrochen, und nach heissem Blutbade*), in welchem auch von Bolestaw's
Leuten nicht weniger als S00 Mann blieben und Seih, der Befehlshaber
der Burg, den das Unglück also auch an diesem Tage verfolgte,
verwundet wurde, behauptet. Die Gefangenen, darunter auch
zwei edle Männer Guneelin und Wiso, brachte man vor den stolzen
Sieger, der befahl, sie in die Knechtschaft abzuführen. Zuletzt tlieilten
sich die Sieger in die Beute, zündeten die Burg an und kehrten
mit Bolestaw fröhlich wieder heim.
*) Dies lässt sich sagen ohne dass man alle die von Hirsch, Jb. II, 333Ä. 1. hinreichend
wiederlegten Hypothesen Gfrörer’s, Kirchengesch. 4, 75 zu theilen gezwungen ist.
2 ) Nach ann. Quedl. ad a. 1012 trat die Überschwemmung am 10. Aug. ein und
währte 2 Tage; auch Donau und Rhein traten nach Thietmar in diesem Jahre über.
3 ) Thietmar 1. 6, c. 45 und Necrolog. Merseburg. Ausgabe von Dümmler, S. 17 zum
20. Aug.: „In Liubuzauua multi peremti sunt“.
Auf welches auch ann. Quedl. ad a. 1012: „utrinque magna strage peracta“ hinweisen.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LVII. Bd. II. Hft.
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