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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Zeissberg

als  Führer.  Allein  das  Thor  fand  sich  geschlossen  und  wohl  besetzt.
Die  Polen  kehrten  daher  wieder  enttäuscht  um  und  verliessen  in  guter
Ordnung,  ohne  selbst  Schaden  zu  leiden,  und  ohne  Schaden  zuzufügen, ­
  das  Land.  Wer  die  Polen  eingeladen  habe,  zu  kommen,  sagt
Thietmar  nicht;  dass  es  Brun,  Guncelin’s  Bruder  war,  ist  hlos  vermuthet
  worden  ').
Boleslaw  selbst  hatte  den  Erfolg  seines  Anschlages  zu  Budusin
in  banger  Sorge  erwartet,  und  war,  als  er  die  seinigen  unverrichteter
Dinge  zurückkehren  sah,  nicht  wenig  darüber  bestürzt.  Denn  statt,
dass  Boleslaw,  wie  er  hoffen  mochte,  an  dem  nämlichen  Tage  in  Meissen
einziehen  konnte,  fand  sich  am  folgenden  Herimann  in  der  Stadt  ein,
von  einem  königlichen  Boten  eingeführt  und  beschwor  feierlich  mit
Handschlag 2 ),  dass  er  denen,  die  sich  an  ihm  vergangen,  dies  nicht
nachtragen  wolle.  Nur  jene  beiden  Vethenicen  büssten,  da  nachmals
ihr  Verrath  ruchbar  wurde,  mit  dem  Leben.  So  schien  durch  diese
gewiss  weise  Massregel  des  Königs  die  gestörte  Ruhe  in  jenen  Grenzgegenden ­
  wieder  hergestellt.  Thietmar  schliesst  seinen  Jahresbericht
mit  den  Worten:  „Der  König  zog,  nachdem  er  im  Verlaufe  dieses
Sommers  und  des  nächsten  Winters  durch  Weisheit  und  Kraft  seine
Feinde  zum  Frieden  gezwungen  hatte,  den  ihm  von  Boleslaw  zugefügten ­
  Schimpf  und  Schaden  oftmals  bei  sich  in  Erwägung  und  kündete
unter  strengen  Drohungen  gegen  säumige  für  das  nächste  Jahr  und
zwar  nach  Ostern  einen  Zug  wider  denselben  an.“  Es  sind  die  Ostern
1010  s)  gemeint.

1)  Im  N.  laus.  Mag.  XXX,  27  und  von  Hirsch,  Ib.  II,  279.
2 )  „dextera  hoc  affirmante“.
3 )  Indem  Thietmar  im  Vorhergehenden  die  „nächste  Erntezeit“  als  den  Moment  bezeichnet, ­
  in  welchem  der  König  Herimann  die  Mark  verlieh,  kann  der  Aufenthalt
Heinrich’s  zu  Merseburg  nur  vor  den  mit  „proxima  .  .  messe“  bezeichneten  Zeitpunkt ­
  fallen.  Die  Urkk.  Heinrich’s  lassen  die  Wahl  zwischen  1009  und  1010;  denn
nach  Stumpf,  Die  Reichskanzler,  Innsbruck  1865.  2.  Bd.  1.  Abt.  nr.  1517—1521
und  1538  weilte  Heinrich  in  der  That  im  Juni  1009  und  am  28.  Juli  1010  zu
Merseburg.  Man  wird  sich  aber  für  1009  aus  folgendem  Grunde  entscheiden
müssen.  So  viel  ist  klar,  dass  die  fragliche  „messis“  nach  Thietmar  jedesfalls
nicht  nach  dem  c.  37  erwähnten  „priori  die“  stattgefunden  haben  kann  Ist  dies
der  Fall,  so  können  aber  die  folgenden  Worte  „rex  autem  proxima
hieme“  auch  nur  auf  einen  hinter  jenen  als  „priori  die“  bezeichneten  Termin
fallenden  Zeitraum  gehen,  d.  h.  wir  gelangen  durch  „proxima  hieme“  und  „post
pascha“  —  denn  man  wird  Thietmar  doch  nicht  zumuthen  können,  dass  er  in  einem
            
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