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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Zeissberg

stalt  an.  Denn  Guncelin,  welcher  die,  wie  es  scheint  i),  zu  Herimann's
Allod  gehörige  Stadt  Strela  zu  erobern  vergeblich  versucht  hatte,
Hess  die  Stadt  Rocholenzi  (Rochlitz)  an  der  Mulde,  welche  nur
schwach  besetzt  war,  verbrennen.  Auch  sonst  fügte  er  jenem  Herimann,
  der  sein  Neffe  war,  alle  nur  möglichen  Feindseligkeiten  zu.
Das  forderte  Vergeltung.  Herimann  und  Ekkihard,  sein  Bruder,  zogen
in  hellen  Haufen  und  unvermuthet  vor  eine  an  der  Saale  gelegene
Burg  Guncelin’s,  die  dieser  besonders  lieb  und  daher  mit  Ringmauern
und  Besatzung  versehen,  und  die  er  mit  unzähligen  Habseligkeiten
erfüllt  hatte,  erstürmten  sie  und  nachdem  sie  die  Vorgefundene  Habe
alle  unter  sich  getheilt,  zerstörten  sie  die  Veste  von  Grund  aus  und
verbrannten  sie.  (1009.)  Sobald  der  König  dies  erfuhr,  eilte  er  nach
Merseburg  um  die  Sachlage  zu  prüfen.  Als  er  nun  dort  die  Aussagen
der  beiden  Grafen  vernommen  hatte,  mass  er  die  ganze  Schuld
Guncelin  hei 2 ),  weil  ihn  derselbe  in  vielen  Punkten  früher  schon
missachtet  und  auch  diesmal  nicht  seinen.rächenden  Arm  bei  ihm
widerfahrenem  Schimpf  angerufen  habe.  Noch  andere  und  schwerere
Vorwürfe  musste  Guncelin  hören:  er  (der  König)  habe  oft  und  von
vielen  Leibeigenen  die  Klage  vernehmen  müssen,  dass  er  deren  Familien
an  Juden  verkauft,  dass  er  auch  seinem  Befehle,  sie  zurückzustellen ­
  3 ),  nicht  Folge  geleistet  und  auch  nichts  gethan  habe,  um  kraft
seiner  Amtsgewalt  die  vielen  nachtheiligen  Räubereien  im  Zaume  zu
halten.  Härter  noch  klang  der  Vorwurf,  er  habe  bisher  eine  Hinneigung ­
  zu  seinem  Bruder  Boleslaw  gezeigt,  die  weder  für  ihn  schicklich, ­
  noch  für  Heinrich  erträglich  sei.  Das  schlimmste  für  Guncelin
war,  dass  Personen  anwesend  waren,  die  sich  erboten  eidlich
erweisen  zu  wollen,  dass  er  sich  eines  Majestätsverbrechens  schuldig
gemacht  habe.  Bei  so  vielen  Klagen,  die  auf  der  einen,  bei  so  vielen
Vertheidigungsreden  Guncelin’s  und  seiner  Freunde,  die  auf  der  an-*)

  Da  er  die  Stadt  seiner  Braut  zur  Morgengabe  bringt.  Vgl.  Hirsch,  Ib.  1,  254  und
II,  276.
2 )  Vgl.  das  königliche  und  Reichshofgerieht  in  Deutschland  in  der  Zeit  von  Heinrich ­
  I.  bis  Lothar  von  Sachsen  von  0.  Franklin  in  den  deutschen  Forschungen
4.  Bd.  3.  Heft  S.  489  A.  6.
3 )  Passend  erinnert  hier  Hirsch,  Ib.  II,  277  an  den  h.  Adalbert,  der  unter  den  Gründen
seiner  Entfernung  von  dem  Bischofstuhle  anführt:  „tertia  propt^  captivos  et  mancipia
  xpianorum,  quos  m^cator  Judaeus  Tfelici  auro  emerat,  emptosque  tot  episcopus
redimere  non  potuit.“  Vgl.  Usinger  in  Sybel’s  hist.  Ztschr.  VIII,  393.
            
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