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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

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Z  e  i  s  8  1)  e  r  g

zwischen  Brun  und  Adalbert,  dieser  sei  klein  von  Gestalt,  jener  aber
hochgewachsen  gewesen.  Brun  habe  dann,  gleich  Adalbert  beschlossen,
sein  Bisthum  zu  verlassen  und  eine  Bekehrungsreise  anzutreten.  Brun,
fährt  derBericht  fort,  bat  daher  den  Kaiser,  für  ihn  auf  seinen  bischöflichen ­
  Stuhl  den  von  ihm  selbst  ausersehenen  Oddricus  —gemeint  ist
derb.  Udalrich,  derschon  973  starb—zum  Nachfolger  weihen  zu  lassen.
Als  dies  geschehen  war,  reiste  er  seihst  in  demüthigem  Aufzuge  nach
Ungarn,  welches  Weiss-Ungarn  heisst,  zum  Unterschiede  von  einem
andern,  welches  Schwarz-Ungarn  genannt  wird,  weil  dessen  Bewohner
dunkelfarbig  sind,  wie  die  Athiopen.  Derb.  Adalbert  bekehrte  inzwischen
vier  Landschaften,  nämlich  Polliana,  Sclavania,  Waredonia  und  Cracovia.
  Hierauf  ging  er  zu  den  Pincinaten,  um  auch  diesen  den  Herrn
zu  verkündigen.  Dies  Volk  ist  heidnich  und  äusserst  roh.  Nach  acht
Tagen  kam  er  zu  ihnen  und  begann,  ihnen  Christum  zu  predigen,  am
neunten,  als  sie  ihn  eben  betend  fanden,  tödteten  sie  ihn  mit  eisernen
Geschossen  und  machten  ihn  zum  Märtyrer  Christi.  Sodann  hieben  sie
ihm  den  Kopf  ab  und  warfen  den  Bumpf  in  einen  grossen  See;  sein
Haupt  aber  warfen  sie  auf  das  Feld  den  Vögeln  zum  Frasse  hin.  Ein
Engel  Gottes  aber  nahm  das  Haupt  und  legte  es  neben  den  Bumpf  ans
andere  Ufer.  Dort  blieb  es  unangetastet  und  unversehrt,  bis  Kaufleute
an  der  Stelle  vorbeikamen,  die  den  h.  Schatz  mitnahmen  und  nach  dem
Sclavenlande  hin  bekannt  gaben.  Der  h.  Brun  aberbekehrte  Ungarn  und
ein  anderes  Land,  welches  Russin  heisst.  Er  taufte  ferner  den  König
von  Ungarn,  Namens  Gouz,  und  nannte  ihn  in  der  Taufe  Stefan;  ihn
hob  Kaiser  Otto  am  Geburtstage  des  Protomartyrs  Stefan  aus  der  Taufe
und  gewährte  ihm  sein  Reich  vollkommen  unabhängig  zu  besitzen,
gestattete  ihm  ferner,  eine  h.  Lanze  allenthalben  zu  tragen,  wie  es
Sitte  des  Kaisers  selbst  ist,  und  gewährte  ihm  für  seine  Lanze  Reliquien ­
  von  den  Nägeln  des  Herrn  und  die  Lanze  des  h.  Mauritius.
Der  genannte  König  liess  auch  seinen  Sohn  durch  den  h.  Brun  taufen ­
  und  gab  ihm  seinen  Namen  Stefan.  Diesem  Sohne  gab  Kaiser
Otto  die  Schwester  des  späteren  Kaisers  Heinrich  zur  Gemahn.  Der
h.  Brun  aber  wurde,  als  er  zu  den  Pincinaten  ging  und  Christum
ihnen  zu  verkünden  begann,  von  ihnen  gemartert,  wie  es  dem  h.  Adalbert ­
  geschehen  war.  Denn  die  Pincinaten  in  ihrer  teuflischen  Wuth
rissen  ihm  die  Eingeweide  aus  dem  Leibe,  und  machten  ihn  zu  einem
der  grössten  Märtyrer  Gottes.  Seinen  Leib  kaufte  das  Volk  der  Russen,
um  vieles  Geld,  und  errichtete  ihm  zu  Ehren  in  Russland  ein  Kloster,
            
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