Die Kriege K. Heinrich II. mit Herzog Boleslaw I. von Polen.
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wärest Du nicht edel, gewiss nie, was Dir an mir übel zu sein
schien, gehasst haben. Zum Tröste sage ich: so der heilige Gott auf
Fürbitte des frommen Petrus sich erbarmen will, werde ich nicht zu
Grunde gehen, da ich, schlecht und lasterhaft, durch Gottes Gnade
gut werden möchte. Als Gebet sage ich: möge der allmächtige und
erharmungsvolle Gott mich bessern, den alten Sünder und Euch von
Tag zu Tag durch nie ersterbende gute Thaten zu einem immer
besseren König machen. Es wird nun mancher sagen, ich bezeugte
dem hiesigen Fürsten all zu grosse Treue und Freundschaft. Und
das ist auch wahr. Gewiss! ich liebe ihn, wie meine Seele und
noch mehr als mein Leben. Doch, und dafür habe ich unseren gemeinsamen
Gott zum Zeugen, nicht im Gegensätze zu Euch lieb’
ich ihn, sondern will ihn vielmehr, so viel mir gelingt, für Euch
gewinnen. Aber mit Verlaub Eurer königlichen Gnade zu sprechen:
ist es wohl edel, einen Christen zu verfolgen und ein heidnisches
Volk zumBundesgenossen zu haben? Was hat Christus gemein
mit Belial, was das Licht mit dem Schatten? Wie passen zu einander
Zuarasi oder der Teufel und der Anführer der Heiligen, Euer und
unser Mauritius? Mit welcher Stirne gesellen sich die heil. Lanze und
jene teuflischen Feldzeichen, die mit Menschenblut befleckt werden?
Hältst du es nicht für eine Sünde, o König, wenn ein Christenhaupt,
gräulich, es auch nur auszusprechen, unter der Fahne der Dämonen
geopfert wird? Wäre es nicht besser, einen Mann zum Getreuen zu
haben, mit dessen Beistand und Rath Du Tribut von dem Heidenvolke
nehmen und es 2um Christenthum bekehren könntest? 0 wie
viel lieber würde ich, an Deiner Stelle, nicht zum Feinde, sondern
zum Getreuen haben wollen, ihn, von dem ich spreche, Herrn Boleszlavus!
Vielleicht antwortest Du: ,das will ich ja!‘ Nun dann habe Mitleid
, lass ab von blutiger Strenge; willst Du einen Getreuen au ihm
haben, so höre auf, ihn zu verfolgen; willst Du ihn zu Deinem Manne,
so bewerkstellige es in Güte damit er sich dessen freue <). Hüte Dich,
mein König, und vermeine nicht, alles mit Gewalt durchsetzen zu
*) „fac cum bono ut delectet“, welche Worte Pabst zu Hirsch II- 227, Anm. mit Unrecht
auf ßolesl’aw’s Verlangen nach den an der oberen Elbe gelegenen Landschaften
, die er seit 1007 dem Reiche wieder entrissen hatte, ja vielleicht sogar
nach Böhmen, bezieht. Meine davon abweichende Übersetzung rechtfertige ich in
dem Aufsatze: „Die öffentliche Meinung im XI. Jahrh. über Deutschland^ Politik
gegen Polen.“ (Ztschr. f. d. österr. Gymn. 1868 S. 97—98.)