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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinrich  II.  mit  Herzog  Bolestaw  I.  von  Polen.  335

radies  erschlossen,  so  wie  du  uns  den  Weg  zu  den  Heiden  erschlossen
hast.“  Kurz!  ohne  dass  uns  jemand  daran  hinderte,  zogen  wir  unseres
Weges  zwei  Tage  lang;  am  dritten,  an  einem  Freitag  aber  wurden
wir  dreimal,  Morgens,  Mittags  und  zur  Zeit  der  None  alle  mit  gebückten ­
  Nacken  zur  Schlachtbank  geführt  und  ebenso  oft  entkamen  wir,
wie  es  Gott  und  unser  Führer,  der  h.  Petrus,  verkündet  hatte,  durch
ein  Wunder,  unversehrt  den  uns  begegnenden  Feinden.  Sonntags
kamen  wir  zu  einem  grösseren  Stamme,  und  es  wurde  uns  so  lange
Frist  gegönnt,  zu  leben,  bis,  durch  Eilboten  aufgefordert,  das  ganze
Volk  zu  einer  Versammlung  sich  eingefunden  haben  würde.  So  verging ­
  denn  eine  Woche;  am  nächsten  Sonntag  werden  wir  zur  neunten ­
  Stunde  vor  die  Versammlung  berufen,  und  wir  und  unsere
Pferde  gegeisselt.  Es  strömt  hier  eine  unzählige  Menge  zusammen,
von  blutgierigem  Blicke,  und  erhebt  ein  furchtbares  Geschrei;  sie
schwängen  tausend  Beile,  tausend  Schwerter  über  unsere  Nacken  und
drohen,  uns  in  Stücke  zu  hauen.  Bis  in  die  Nacht  wmrden  wir  gequält, ­
  und  hin-  und  hergezerrt,  bis  die,  welche  uns  ihren  Händen
mit  Gewalt  entrissen,  die  Fürsten  des  Landes,  nachdem  sie  uns  angehört, ­
  so  einsichtsvoll  waren,  zu  begreifen,  dass  wir  zu  ihrem  Vortheile ­
  in  ihr  Land  gekommen.  So  blieben  wir,  wie  der  wunderthätige
Gott  und  der  kostbarste  Petrus  befohlen,  fünf  Monate  bei  diesem
Volke,  bereisten  drei  Viertel  des  Landes,  den  vierten  Theil  berührten
wir  nicht;  aus  ihm  kamen  zu  uns  blos  Boten  der  Häuptlinge.  Nachdem
wir  ungefähr  dreissig  Seelen  zum  Christenthum  bekehrt  hatten 1 ),  vermittelten ­
  wir  durch  Gottes  Fügung  einen  Frieden 3 ),  den,  so  sagten
sie,  nur  wir  stiften  könnten.,Diesen  Frieden  sagten  sie,  hast  du  zu
Stande  gebracht.  Ist  er  fest,  wie  du  lehrst,  so  w'erden  wir  alle  gern
Christen  werden;  wenn  aber  jener  Fürst  der  Russen  in  seiner  Treue
schwanken  wird,  so  werden  wir  nur  auf  Krieg,  nicht  auf  das  Christenthum ­
  bedacht  sein.“  Auf  diese  Art  reiste  ich  zurück  zum  Fürsten
der  Russen,  welcher  um  Gotteswillen  ihnen  willfahrend  ihnen  seinen
Sohn  als  Geisel  stellte  und  wir  weiheten  einen  von  unseren  Gefährten
zum  Bischof,  den  er  zugleich  mit  seinem  Sohne  mitten  in  jenes  Land

*)  Wenn  die  dunklen  Worte:  ^circiter  triginta  animas  xpianitate  factas“  so  zu  verstehen ­
  sind.
2 )  Die  Stelle  ist  nicht  ganz  klar;  es  scheint,  der  Fürst  der  Russen  habe  die  Reise
Bruns  zu  den  Petschenegen  auch  politisch  zu  verwerthen  und  durch  ihn  Friedensverhandlungen ­
  mit  denselben  anzuknüpfen  gesucht
            
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