Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

346

Zeissberg

VI.
Brun 1 )  wurde  in  der  zweiten  Hälfte  des  10.  Jahrhunderts 2 )
in  einem  edelen  sächsischen  zu  Querfurt,  westlich  von  Merseburg
am  Bache  Querna  begüterten  Hause  gehören.  Sein  Vater  Brun
wird  Graf  genannt;  die  Mutter  hiess  Ida.  Thietmar  bezeichnet  den
Vater  als  seinen  „Blutsfreund“;  doch  muss  die  Verwandtschaft  beider
entfernt  gewesen  sein,  da  Thietmar  dessen  Sohn  Brun  mit  keinem
eine  verwandtschaftliche  Beziehung  zu  ihm  ausdrückenden  Worte
bezeichnet.  Ob  unser  Brun  mit  Kaiser  Otto  III.  verwandt  war,  ist
zweifelhaft  •"),  gewiss  aber,  dass  von  dem  Bruder  desselben  der  nachmalige ­
  Kaiser  Lothar  III.  ahstammte.  Seine  erste  Erziehung  empfing
der  Knabe  in  der  berühmten  Magdeburger  Domschule,  aus  welcher
auch  der  h.  Adalbert,  den  er  sich  später  zum  Vorbilde  nahm  und  der
Geschichtschreiber  Thietmar  hervorgingen.  Letzterer,  sein  Mitschüler, ­
  nennt  den  gemeinsamen  Lehrer  Geddo,  der  nachmals  als
Domcustos  starb.  Brun  kam  dahin  noch  zu  des  Erzbischofes  Adalbert
Zeiten.  Wohl  schon  damals  empfing  er  den  Namen  Bonifaeius,
so  wie  ja  auch  Wojtech  in  Magdeburg  den  Namen  Adalbert  erhalten
hatte 4 ),  und  immerhin  mag  auf  die  Wahl  gerade  dieses  Namens  das
Andenken  des  grossen  Apostels  der  Deutschen,  der  ja  auch  sein
Werk  mit  dem  Märtyrertode  besiegelt  batte,  bestimmend  eingewirkt

Man  hat  diesem  merkwürdigen  Manne  die  gebührende  Aufmerksamkeit  überhaupt
erst  seit  der  Entdeckung  seines  Briefes  an  Kaiser  Heinrich  II.  zugewendet.  Daher
ihn  Röpell,  G.  Polens  noch  mit  Stillschweigen  überging.  Vgl.  vor  allem  W.  Giesebrecht, ­
  Erzb.  Brun-Bonifacius,  der  erste  Missionär  in  Preussen  in  den  „Neuen
preussischen  Provinzialblättern“  3.  Folge  ni.Bd.  1.  Hft.  Königsberg  1860.  8.  (auch
in  Separatabdrücken,  doch  nicht  im  Handel).  Die  Namensform  „Brun“  ist  die
deutsche,  „Bruno“  die  lateinische,  wie  \V.  Giesebrecht  a.  a.  0.  S.  3.  bemerkt.
3 )  „Da  er  Altersgenosse  des  Bischofs  Thietmar  von  Merseburg  war,  muss  er  um  das
J.  975  geboren  sein.“  W.  Giesebrecht  a.  a.  0.  S.  3.
3 )  Zwar  geht  dies  aus  der  vita  s.  Romualdi  c.  27  hervor.  Doch  scheint  hier  eine
Verwechselung  mit  Pabst  Gregor  vorzuliegen,  der  auch  ehedem  Bruno  hiess.  Deshalb ­
  lasse  ich  auch  die  Stelle  der  vita  s.  Romualdi  über  Brun’s  musikalische
Bildung  unerwähnt.  Denn  auch  hier  liegt,  wie  die  Vergleichung  mit  Canaparii  vita
S.  Adalberti  c.  21  lehrt,  eine  Verwechselung  vor.
4 )  Während  Pertz  SS.  4,578  meint,  er  habe  erst  bei  seinem  Eintritte  in  das  Bonifacius-KloSter
  am  Aventin  den  Namen  Bonifaeius  angenommen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.