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Zeissberg
VI.
Brun 1 ) wurde in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts 2 )
in einem edelen sächsischen zu Querfurt, westlich von Merseburg
am Bache Querna begüterten Hause gehören. Sein Vater Brun
wird Graf genannt; die Mutter hiess Ida. Thietmar bezeichnet den
Vater als seinen „Blutsfreund“; doch muss die Verwandtschaft beider
entfernt gewesen sein, da Thietmar dessen Sohn Brun mit keinem
eine verwandtschaftliche Beziehung zu ihm ausdrückenden Worte
bezeichnet. Ob unser Brun mit Kaiser Otto III. verwandt war, ist
zweifelhaft •"), gewiss aber, dass von dem Bruder desselben der nachmalige
Kaiser Lothar III. ahstammte. Seine erste Erziehung empfing
der Knabe in der berühmten Magdeburger Domschule, aus welcher
auch der h. Adalbert, den er sich später zum Vorbilde nahm und der
Geschichtschreiber Thietmar hervorgingen. Letzterer, sein Mitschüler,
nennt den gemeinsamen Lehrer Geddo, der nachmals als
Domcustos starb. Brun kam dahin noch zu des Erzbischofes Adalbert
Zeiten. Wohl schon damals empfing er den Namen Bonifaeius,
so wie ja auch Wojtech in Magdeburg den Namen Adalbert erhalten
hatte 4 ), und immerhin mag auf die Wahl gerade dieses Namens das
Andenken des grossen Apostels der Deutschen, der ja auch sein
Werk mit dem Märtyrertode besiegelt batte, bestimmend eingewirkt
Man hat diesem merkwürdigen Manne die gebührende Aufmerksamkeit überhaupt
erst seit der Entdeckung seines Briefes an Kaiser Heinrich II. zugewendet. Daher
ihn Röpell, G. Polens noch mit Stillschweigen überging. Vgl. vor allem W. Giesebrecht,
Erzb. Brun-Bonifacius, der erste Missionär in Preussen in den „Neuen
preussischen Provinzialblättern“ 3. Folge ni.Bd. 1. Hft. Königsberg 1860. 8. (auch
in Separatabdrücken, doch nicht im Handel). Die Namensform „Brun“ ist die
deutsche, „Bruno“ die lateinische, wie \V. Giesebrecht a. a. 0. S. 3. bemerkt.
3 ) „Da er Altersgenosse des Bischofs Thietmar von Merseburg war, muss er um das
J. 975 geboren sein.“ W. Giesebrecht a. a. 0. S. 3.
3 ) Zwar geht dies aus der vita s. Romualdi c. 27 hervor. Doch scheint hier eine
Verwechselung mit Pabst Gregor vorzuliegen, der auch ehedem Bruno hiess. Deshalb
lasse ich auch die Stelle der vita s. Romualdi über Brun’s musikalische
Bildung unerwähnt. Denn auch hier liegt, wie die Vergleichung mit Canaparii vita
S. Adalberti c. 21 lehrt, eine Verwechselung vor.
4 ) Während Pertz SS. 4,578 meint, er habe erst bei seinem Eintritte in das Bonifacius-KloSter
am Aventin den Namen Bonifaeius angenommen.