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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

Die  Kriege  K.  Heinrich  II.  mit  Herzog  Boleslaw  I.  von  Polen.

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das  Bündniss  mit  Boleslaw  seit  dem  Gnesener  Vertrage  den  deutschen
Interessen  mehr  als  das  Bündniss  mit  den  Wenden  entsprach.  Jenen
Vertrag  hatte  bereits  Otto  III.  zum  grossen  Schaden  für  das  Reich
geschlossen;  Heinrich  fand  liier  eine  vollendete  und  sogar  rechtlich
besiegelte  Thatsache  vor,  die  zwar  ganz  den  Tendenzen  der  mittelalterlichen ­
  Kaiseridee,  aber  kaum  den  Aufgaben  der  deutschen  Königsgewalt ­
  entsprach.  Heinrich  blieb  nur  die  Wahl,  mit  Boleslaw  Hand
in  Hand,  gewiss  nur  zu  dessen  Vortheil  —  das  hatte  Otto’s  III.  Regierung ­
  gezeigt  —  die  Wenden  oder  mit  diesen  im  Bunde  ihn,  den  gefährlichsten ­
  Feind,  den  das  Reich  seit  einem  halben  Jahrhundert
hatte,  zu  bekriegen.  Heinrich  wählte  den  letzten  Weg,  trat  aber  doch
auch  gelegentlich,  wie  zu  Werben,  den  Wenden  klug  und  entschieden
entgegen.  Nicht  die  „von  dem  Süden  her“  widerkehrende,  „von  Norddeutschland ­
  ausgegangene  Gewalt“,  sondern  die  im  Norden  verbliebene
hatte  aus  der  Art  ihrer  einstigen  grossen  Träger  geschlagen.  Gerade
Otto  III.  war  es,  der  sich  schämte,  dem  rauhen  Sachsenlande  entsprossen ­
  zu  sein.  Heinrich  II.  erschien  es  „ein  Paradies  der  Fülle
und  des  Lebensgenusses.“
Dem  Clerus  der  römischen  Kirche  mochte  freilich  und  von
seinem  Standpunkte  aus  mit  Recht  die  Politik  der  beiden  Kaiser  in
anderem  Lichte  erscheinen.  Ihm  war  Otto  III.  ein  grösserer  „Kaiser“;
der  blendende  Glanz  von  Adalbert’s  Märtyrerkrone  vergoldete  auch
noch  die  Locken  des  jugendlichen  Sohnes  der  Griechin.  Auch  Boleslaw ­
  hatte  sich  um  die  römische  Kirche  grosse  Verdienste  erworben,
indess  dem  vor  allem  hiezu  berufenen  Heinrich  der  Sinn  für  die
Mission  unter  den  Heiden  zu  mangeln  schien.  Kein  Wunder  daher,
wenn  jener  Partei,  die  nach  einer  Reform  der  Kirche  und  nach
einer  veränderten  Stellung  derselben  dem  Imperium  gegenüber
verlangte,  Heinrich’s  Politik  gegen  Boleslaw  wenig  gefiel  und  dass
dies  Missfallen  selbst  gelegentlich  zu  einem,  wenn  auch  ergebenen
gemässigten  Ausdrucke  kam.
Diese  Betrachtung  leitet  uns  zur  Geschichte  jenes  Mannes,
Brun  hinüber,  in  dessen  Leben  und  Schicksalen  die  erwähnten
Stimmungen  auf  das  klarste  zu  Tage  treten.
            
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