Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 57. Band, (Jahrgang 1867)

340

Z  e  i  s  s  b  e  r  g

von  Bolestaw's  Umtrieben  und  von  dessen  Bemühungen,  auch  sie  in
das  Bündniss  mit  ihm  hereinzuziehen,  gehen.  Sie  fugten  die  Drohung
hinzu,  dass  der  König,  falls  er  ihm  noch  länger  Gnade  und  Frieden ­
  angedeihen  lassen  würde,  auf  ihre  Ergebenheit  fürder  nicht  werde
zählen  können.  Über  diese  Eröffnung  ging  der  König  mit  den  Fürsten
zu  Bathe.  Die  Ansichten  dieser  waren  getheilt.  Heinrich  stimmte  der
Ansicht  jener  bei,  welche  meinten,  man  müsse  auf  die  Vorstellungen
jener  Gesandten  eingehen.  Es  war  dies  gewiss  ein  nicht  ganz  kluger
Act  und  Thietmar 1 )*  der  das  so  eben  mitgetheilte  berichtet,  tadelt
leise  und  mit  Becht  darob  den  König.  Heinrich  sandte  an  ßoleslaw  dessen ­
  Schwiegersohn  Herimann,  an  den  ohnedies  damals  die  Einladung,
ihn  zu  besuchen,  von  seinem  Schwiegervater  ergangen  war,  und
gab  ihm  den  Auftrag,  den  Posener  Frieden  zu  kündigen a ).  Bolestaw,
Liutizen  und  Böhmen  aufgeführt  wird,  einen  Iausitzisehen  Platz,  lässt  eine  nähere
Bestimmung  jedoch  dahingestellt.  Pabst  zu  der  Stelle  Hirsch's  meint,  es  möchte
eher  die  Stadt  sein,  welche  nachThietmar  im  N.  des  von  Heinrich  I.  zerstörten  und
erst  im  Winter  1010—11  wiederaufgebauten  Lebusa,  von  diesem  nur  durch  ein  Thal
geschieden,  lag.  Er  vergleicht  mit  „magna  civitas“,  wie  Thietm.  Liubilni  nennt,  den
von  jener  Stadt  bei  Thietm.  VI,  39  gebrauchten  Ausdruck:  „magnam  structuram.“
Gewiss  ist  Pabst’s  Vermuthung  die  allein  richtige;  (vgl.  noch  Hirsch  II,  316  a.  4.  v.  P.)
nur  lässt  sich  dieselbe  noch  schärfer  zuspitzen.  Denn  Thietm.  (1.6.C.48)  nennt  sie
sogar  ausdrücklich  „magnam  urbem.“  Sie  fällt  an  dieser  Stelle  wirklich  ßoleslaw
in  die  Hände,  mag  also  ganz  gut  schon  1007  in  Gefahr  geschwebt  haben.  Sie
hatte  nach  Thietm.  VI,  39  zwölf  Thore  und  konnte  10,000  M.  fassen.  Hier  wird
auch  die  andere  daneben  erbaute  Stadt  „minor“  genannt.  Liubusua  aber  hielt
man  früher  für  Lebus,  Dobner  ad  Hagec.  III,  617  für  Görlitz;  Wohlbrück  in  der
Geschichte  von  Lebus  1,  4  ff.  soll  es  für  Lebusa,  einen  kleinen  Ort  zwischen
Dahme  und  Schlieben  halten,  welch’  letztere  Ansicht  Lappenberg  zu  Thietm.
L.  Giesebrecht  W.  G.  1,  137  und  zuletzt  auch  Waitz.  Jahrb.  d.  d.  R.  unter  H.  I.
(1863)  S.  147  Ann.  4.  theilten.  Wenn  nun  Thietm.  an  unserer  Stelle  den  Ort
„magna  civ. a  nennt,  so  will  er  damit  eben  „Grosslebusa“  von  Kl.  L.  unterscheiden. ­
  Auch  Zeuss,  die  Deutschen  und  die  Nachbarst.  S.  66  läugnet  die  Identität
von  Lebus  und  Lebusa,  da  Thietmar,  der  selbst  dort  war,  die  Oder  nicht  nennt.
Er  vermuthet,  wohl  mit  Recht,  dass  die  Stadt  näher  der  Elbe  lag.  Vgl.  auch  N.
Lausitz.  Mag.  XXXIII,  269  Anm.
*)  I.  6.  c.  24:  „iniquae  voluntati  eorum  in  hoc  consensit.“  Ich  sehe  nicht,  woraut
sich  Cohn’s  (Kaiser  H.  II.  114)  Vermuthung  stützt:  »den  Ausschlag  scheint  die
Nachricht  von  einer  Gewaltthat  gegeben  zu  haben,  die  von  den  Polen  verübt
worden  und  bei  der  eine  Anzahl  Deutscher  das  Leben  eingebüsst.“
2 )  „Condicta  pacis  foedera  interdiceret“  vgl.  mit  Thietm.  1.  6.  c.  20:  „pacis  foedera
pepigit.“  Falsch  ist  daher,  was  Barthold  a.  a.  0.  1,  347  sagt:  „derKönig  begnügte
sieh  mit  einer  Friedengebietenden  Gesandtschaft  an  B. u
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.